Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur & sprache

Index
» Literatur & sprache
» Persönlichkeiten
» Theodor Fontane (I8I9-I898)

Theodor Fontane (I8I9-I898)



Nach dem Fall der Berliner Mauer nahmen manche Westdeutsche auf der Suche nach Herrn von Ribbecks Birnbäumen im Havelland Theodor Fontanes Reisebeschreibungen durch die Mark Brandenburg wieder zur Hand. Schon Fontane war entsetzt über den Kontrast zwischen Vorstellung und Wirklichkeit einiger Städte, was dem Reisenden mit Fontane in der Tasche heule sicherlich ähnlich geht. Davon ausgenommen sind freilich die Naturbeschreibungen. Die Reiseberichte sind die Resultate von Fontanes Leidenschaft fürs Wandern und für die Besonderheil dieser Landschaften. Hr war damals Redakteur und Kriegsberichterstatter des englischen Teils einer konservativen Zeitung.

      Der gelernte Apothekergehilfe und Valer zweier Kinder, der 1819 im vorpommersehen Swinemünde geboren worden war, hatte mit dreißig seinen Apothekerberuf quillierl und sich seitdem u. a. als Auslandskorrespondent in Kngland bei verschiedenen Berliner Zeitungen mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Seine dichterische Berufung, vor allem als volkstümlicher Balladendichter, hatte ihn schon früh mit literarischen Kreisen in Verbindung gebracht. Fr stand nicht nur der literarischen Vormärzbewegung nahe, sondern hatte spontan an den Berliner Barrikadenkämpfen teilgenommen.
      Als zwölf Jahre später der Kriegsberichterstatter Fontane vor Beginn des deutsch-französischen Kriegs 1870 nach Frankreich reiste, wurde er als vermeintlicher Spion festgesetzt. Nach seiner Freilassung wechselte er wieder den Beruf und arbeitete in Berlin als'Theaterkritiker bei der >Vossischen ZeitungFrau Jenny Trcibcl< ist ein Berliner Roman, der humorvoll und mit Ironie die Möglichkeiten und Grenzen des sozialen Aufstiegs zweier Frauen erzählt.
      >Effi Briest< , Fontanes bekanntester Roman, kreist um das Thema der unglücklichen Liebe Kffis und ihrer Heirat mit dem gänzlich unromantischen älteren Baron von Instetten. Die Geschichte geht auf eine Begebenheit in Fontanes Bekanntenkreis zurück. Die Entdeckung einer verheimlichten Liebe bringt den Fhemann dazu, sich mit dem Liebhaber zu duellieren. Der Liebhaber stirbt und die Hhe wird geschieden. Im Roman wird HITi auch noch ihrer eigenen Tochter entfremdet, die beim Vater aufwächst. Kurz vor ihrem Tod erkennt sie die Inkonsequenz ihres I landelns und verzeiht ihrem geschiedenen Mann. Fontane nimmt nicht Partei, verurteilt nicht, denn die Personen handeln nur nach ihren Gefühlen oder gesellschaftlichen Normen - als Opfereines Konfliktes, der individuell nicht lösbar erscheint.
      Fontane trifft mit diesen Themen den feinen Nerv der im Wilhelminismus moralisch begründeten Fhc mit ihren festgelegten Geschlechterrollen. In seinem eigenen, unverkennbaren Stil verknüpft er inneres und äußeres Geschehen miteinander. Die Faszination seiner Romane beruht vor allem auf dem indirekten Frzähl-stil, der nie die Begebenheiten benennt, sondern sie »zwischen den Zeilen« andeutet. Vorallem im Spätwerk (>DerStechlinzählung im Wesentlichen auf den Stil und die Reflexion. In den Sprachstilen werden die Personen teilweise in ihrer Finge -schränktheit gezeigt, aber auch schon die Ideen einer neuen Zeit angekündigt.
      Fontane, der einen von Literaturmoden unberührten eigenen Stil entwickelt hatte, erfuhr in seiner Zeit gesellschaftliche Anerkennung immer nur in Maßen. Doch das Alterswerk dieses Spätentwicklers war von äußerster Modernität und wurde zum Vorbild für die junge Generation der Naturalisten wie die Brüder Mann, die eben erst die literarische Szene betraten. Thomas Mann schrieb über Fontane: «Brist unser Vater.«

 Tags:
Theodor  Fontane  (I8I9-I898)    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com