Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt

Referat Projekt, Charakterisierung, Interpretation, Papier, Essay
Literatur & sprache

Index
» Literatur & sprache
» Meisterwerke
» Das Parfüm (I985) - Roman von Patrick Süskind

Das Parfüm (I985) - Roman von Patrick Süskind



Kaum ein deutscher Roman war in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgreich wie Patrick Süskinds >Das ParfumParfum< ist es Grcnouille , der schon wegen seiner naturgegebenen Veranlagung nicht in seine Umwelt passl. Nach seiner Geburt im Paris des 18. Jahrhunderts, mitten auf einem stinkenden Fischmarkl, wird er in einem Kloster aufgenommen, erfährt aber aufgrund seines fehlenden Rabygeruchs keine liebevolle Zuwendung. Gerade dieser fehlende Geruch macht ihn zum Monster, das sich auf der Suche nach dem schönen Geruch durchs Leben schnüffelt.
      Diese Unperson, die weniger menschliche als tierische Instinkte zu haben scheint, rächt sich an der lieblosen Welt auf ebenso lieblose Weise und meuchelt zahlreiche »reine Jungfrauen«, aus de neu er wie ein Vampir die Geruchsessenzen aussaugt, um diese zu unwiderstehlichen Duflsloffen zusammenzubrauen. So versucht er, der Welt des Gestanks, aus der er kam, etwas entgegenzusetzen. Fr wird zum genialen Chemiker wohlriechender Parfüms, die ihn berühmt machen und es ihm erlauben, seine Umwelt zu manipulieren. Figentlich beabsichtigt der Frankenstein der Düfte aber nur, sich selbst durch die Verwendung des Duftes liebenswert zu machen.
      Als er nach 26 Morden gefasst wird und hingerichtet werden soll, zeigt sich die Wirkung des Liebesparfümsan der »Kröte«. Nun lieben Grcnouille alle, doch er ist mittlerweile so verhärmt, dass er gegenüber der begeisterten Menge nur Hkel und Hass empfinden kann. Der Roman endet auf dem Friedhof, wo sich der Protagonist mit seinem wirkungsvollsten Parfüm übergießt, woraufhin ihn die vom Duft betörte Menschenmeute zerreißt und auffrisst. Der Kommentar des Erzählers: »Sie hatten zum ersten Mal etwas aus Liebe getan.«
Als der Roman t erschien, wurde er von der Kritik überwiegend positiv beurteilt. Insbesondere die Rückkehr zur Frzählkunst wurde hervorgehoben. Irritiert waren die Rezensenten allerdings durch triviale Aspekte, die diesem Kriminalroman offenbar zu soviel Popularität verhüllen haben, und vor allem durch die epigonale Verwendung literarischer Formen. Dass Literatur unterhaltsam und zugleich qualitativ wertvoll sein kann, stößt zumindest in der deutschen Lileralurkrilik auf Widerspruch.
      Später wurde gerade dieser Aspekt des spielerischen und ironischen Umgangs mit Vorgeformtem an dem Roman als »postmoderner« Slil gewürdigt. Ivs wurde anerkannt, dass die Anregung der Leselust einer lesemüden Generation auch zur Auseinandersetzung mit eher ungewöhnlichen Stilen und entlegenen Fpochen geeignet ist und wenn schon nicht den Geruch, so doch den ästhetischen Geschmack ausbilden kann. Als postmodern an Süskinds Roman wurde vor allem hervorgehoben, dass ersieh nicht scheut, traditionelle Stile und Motive zu verwenden und sie zueinander in Beziehung zu setzen, so dass sich unterhalb der Spannungsebene des Kriminalromans noch andere Textschichten bilden, die paro-dislisch mit dem Material umgehen.
      Ã"sthetisches und intellektuelles Vergnügen stellt sich erst auf der zweiten Verständnisebene ein. So gibt sich das Werk als negativer Entwicklungsroman, der in die Grundaussagen eingerahmt ist: »Wir können dich nicht riechen« und: »Wir haben dich zum Fressen gern.« Das auffälligste Stilmiltel ist die groteske Steigerung, die ihre Gegenstände so weit verfremdet, dass sie die Identifikation des Lesers verhindert. Damit grenzt sich dieser Roman am deutlichsten von der Trivialliteratur ab. Er bezieht sich als »olfaktorischer« Roman, der den Geruchssinn anspricht, eher auf die abgehobenen Traditionen etwa eines Proust.
      Schließlich ist >Das Parfüm< auch ein Künstlerroman von einem Genie, das einen Pakt mit dem Teufel schließt. Laborroman ist er als Experimentierstätte oder Hexenküche, in der der Autor - wie Grcnouille seine Geruchsessenzen - Ausdrucksformen und Motive vermischt und zusammenbraut.

     

 Tags:
Das  Parfüm  (I985)  -  Roman  Patrick  Süskind    

. Persönlichkeiten
. Die sprachen der welt
. Entwicklung der deutschen sprache
. Sprache als kunst
. Wichtige epochen
. Ein blick in andere länder
. Meisterwerke

 

 

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com