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Literatur des expressionismus

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Mindestens ebenso wichtig wie die Veröffentlichung von Büchern ist den Expressionisten die Verbreitung von Zeitschriften . Sie sind in einem hohen Maße als Foren der aktuellen ästhetischen, poetologischen und ideologischen Selbstverständigung der Autoren innerhalb der Bewegung zu verstehen, wenden sich aber nach und nach auch an die breitere Ã-ffentlichkeit. Das Spektrum der in den Zeitschriften abgehandelten Inhalte und Themen ist außerordentlich reich und steht in starker Abhängigkeit von den jeweiligen zeitgenössischen Ereignissen und Debatten. Hinsichtlich der literarischen Formen reicht die Skala von Lyrik und Prosa über 'Aufrufe und Manifeste, kulturkritische Beiträge, Glossen und Satiren" bis hin zu 'Pressekritik und Rezensionen" . Typisch für die Ausstattung sind ein großes, flugblatt- oder plakatähnliches Format und zahlreiche Illustrationen. Oft markieren bereits die Titel der Organe ein spezifisches Programm. So verweist zum Beispiel Pan auf den griechischen Hirtengott als Symbolfigur einer Befreiung aus den zivilisatorischen Nötigungen . Der Erfolg der allermeisten expressionistischen Zeitschriften ist gering. Zu den Ausnahmen zählt der von Herwarth Waiden herausgegebene Sturm, ein künstlerisch-literarisches Organ, das zeitweise eine Auflage von 30.000 Exemplaren erreicht . Die ebenfalls recht erfolgreiche Aktion setzt demgegenüber vor allem politische Akzente. Der Herausgeber Franz Pfemfert versucht mit seinem Blatt allen antibürgerlichen und staatskritischen ideologischen Richtungen der Zeit ein Forum zu bieten . Für den österreichischen und süddeutschen Expressionismus ist vor allem Der Brenner bedeutsam . Hier ermöglicht der Herausgeber Ludwig von Ficker zum Beispiel Georg Trakl die erste Gedichtpublikation. Zu den wichtigsten und wirkungsreichsten Zeitschriften der Epoche gehören nicht zuletzt die von wechselnden Redakteuren betreuten Weißen Blätter , die nach 1914 zum publizistischen Zentrum der intellektuellen und künstlerischen Opposition gegen den Ersten Weltkrieg avancieren . Hierbei geraten dieses Organ wie eine Reihe weiterer demokratischer, pazifistischer und antimilitaristischer Periodika, beispielsweise Wilhelm Herzogs Blatt Das Forum , in schwerwiegende Konflikte mit der Zensur . In vielen Fällen gehen die Herausgeber ins Exil, häufig in die Schweiz, und versuchen in der Eidgenossenschaft die Zeitschriften fortzuführen . Die Nennung der wenigen kanonisierten Periodika der Bewegung soll freilich die immense Masse an weniger einflussreichen, oft nicht sehr langlebigen und kommerziell erfolglosen, dazu teilweise nur regional verbreiteten Zeitschriften des Expressionismus keinesfalls in Vergessenheit geraten lassen. Auch sie bilden einen unverzichtbaren, unendlich reich differenzierten Teil der literarischen Kultur der Epoche, der medialen Selbstinszenierung ihrer Repräsentanten, ihrer kritischen Selbstreflexion und ihrer Positionierung innerhalb der jeweils aktuellen Diskurse und Debatten.

     

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