Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur des expressionismus

Index
» Literatur des expressionismus
» Kontexte
» Vitalismus

Vitalismus



Alle genannten, für den Expressionismus außerordentlich wichtigen Denker stimmen in ihrer Ablehnung eines übersteigerten Rationalismus zugunsten einer Betonung der Kräfte des Lebens und des Leibes überein. Als brauchbarer Begriff für diese ideologische Position hat sich der Terminus Vitalismus etabliert. Abgehoben wird damit auf die zentrale Stellung des Phänomens ,Leben' innerhalb vieler Diskurse des beginnenden 20. Jahrhunderts und die Verherrlichung der unterschiedlichsten kreatürli-chen Kräfte und Vorgänge im Gegensatz zur Glorifizierung der kalten Vernunft. Damit ist beispielsweise die auf Gedanken Nietzsches beruhende Vorstellung gemeint, dass das Denken und Erkennen kein eigenständiger, autarker Prozess im menschlichen Bewusstsein, sondern stets rückgebunden an physiologische Abläufe des Leibes sei. Mehr noch, die vitalen Vorgänge von Zeugung und Vernichtung entziehen sich letztlich einer rationalen Erklärung. Konsequenz daraus ist eine starke und vorbehaltlose Bejahung des Körpers und des Lebens in deren ganzer Unberechenbarkeit und Irrationalität . Dies impliziert eine Begeisterung für die Jugend, für das Gefühl und den Affekt, für den Rausch und überhaupt jede Form der Intensivierung der Empfindungen, für die Sexualität und schließlich auch für Gewalt . Unausweichlich ist dabei für die Expressionisten die Konsequenz, dass eine allein auf das Gute und Schöne und somit auch Vernünftige konzentrierte Ã"sthetik der Vielfalt der Erscheinungen des menschlichen Daseins nicht gerecht werden könne und die Kunst daher ihren Gegenstandsbereich demonstrativ auch auf das Böse, Unvernünftige und Hässliche als ebenso berechtigte Phänomene des Lebens auszudehnen habe, um dessen Vielfalt nicht zu verkürzen . Freilich eignen einer solchen Glorifizierung vitaler Kräfte und Vorgänge weniger scharfe gedankliche Konturen als den damit angefeindeten Theorien des Positivismus und Materialismus . Charakteristisch für den Expressionismus ist stattdessen gerade die Ungreifbarkeit eines einheitlichen Konzepts, die fehlende logische Stringenz der tragenden Vorstellungen. Durchgängige Rationalität, Schlüssigkeit und Konsequenz werden sozusagen systematisch durch das Prinzip einer ständigen Bewegung aller Lebensvorgänge und einer unaufhörlichen Opposition gegen jede Art von Stillstand und Erstarrung konterkariert und verhindert .
     

 Tags:
Vitalismus    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com