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Schulische Bildung



Für die Bürgersöhne, die später als Expressionisten poetisch gegen ihre Herkunft rebellieren, ist der Besuch eines Gymnasiums beinahe selbstverständlich. Die Absolvierung einer angesehenen höheren Schule eröffnet den Weg zu den geistigen und Funktionseliten von Staat und Wirtschaft, denen in vielen Fällen die Väter der Autoren bereits angehören. Walter Hasenclevers Vater zum Beispiel ist Sanitätsrat, Ernst Stadler stammt von einem Ministerialrat ab, Klabund kommt aus einem Apothekerhaus, Alfred Lichtenstein ist der Sohn eines Textilfabri-kanten. Schriftsteller aus ärmlichen Lebensverhältnissen sind gelegentlich unter den Expressionisten zu finden. Aber auch sie - an Alfred Döb-lin oder Albert Ehrenstein sei erinnert - besuchen, etwa durch ein Stipendium unterstützt, erstklassige Gymnasien. Sie erhalten aus ihrem Schulbesuch eine exzellente, vor allem humanistische Ausbildung. Wenn sie sich als Dichter gegen die literarische Tradition wenden und die überlieferten poetischen Gestaltungsmuster radikal durchbrechen, wissen sie sehr genau, wogegen sie ästhetisch revoltieren. Der klassische Bildungskanon ist ihnen in der Schule auf höchstem Niveau vermittelt worden. Die Wendung gegen ihn dürfte in der Regel maßgeblich durch äußere Bedingungen, durch die Strenge und Enge des Schulsystems der Zeit, bestimmt worden sein. Jedenfalls deuten darauf zahlreiche kritische Literarisierungen der Pädagogik um 1900 hin, auch von Zeitgenossen, die nicht der Bewegung angehören, etwa Hermann
Hesses Unterm Rad oder Robert Musils Die Verwirrungen des Zöglings Törleß .
     

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