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Revolution auf dem literarischen Markt



Der Expressionismus ist nicht nur eine ästhetisch außerordentlich innovative Epoche der Poesiegeschichte, sondern bringt auch markante Veränderungen auf dem literarischen Markt der deutschsprachigen Länder mit sich. Mit der Bewegung entsteht und entwickelt sich eine Vielzahl an Verlagen, an Zeitschriften und Jahrbüchern und an anderen Foren für die öffentliche Vermittlung der neuen avantgardistischen Dichtung. Hierfür sind mindestens zwei entscheidende Gründe zu nennen. Erstens müssen viele expressionistische Autoren die Erfahrung machen, dass sie bei dem Versuch, ihre Texte in den traditionellen, eingeführten Verlagen und Zeitschriften unterzubringen, scheitern. Die Ã"sthetik der Bewegung ist den meisten Lektoren und Redakteuren zu fremd und zu radikal, als dass sie sich zu einer Publikation entschließen wollten, und darüber hinaus erscheinen ihnen die kommerziellen Erfolgsaussichten zu gering und das Risiko zu hoch. Die bedeutenden Literaturverlage der Zeit, Georg Müller, Albert Langen, Eugen Diederichs, Insel oder Samuel Fischer, nehmen nur wenige expressionistische Texte in ihre Programme auf und senden -etwa im Falle Georg Trakls - Manuskripte zurück, die ihnen Jahre später erhebliche Gewinne hätten bescheren können . Zweitens weisen nicht nur etablierte Zeitschriften die ihnen zugesandten Beiträge von Expressionisten ab, sondern hegen auch viele unter diesenselbst Zweifel an den einschlägigen Organen als geeigneten Publikationsorten für ihre Texte. Die wichtigen zeitgenössischen literarischen Periodika erscheinen den avantgardistischen Autoren als Inbegriff der bürgerlichen Kultur, gegen die sie sich ja gerade auflehnen. Die Konsequenz daraus ist, dass um 1910 innerhalb kürzester Zeit eine ganze Reihe von neuen Verlagen, Buchreihen und Zeitschriften entsteht, durch welche die Expressionisten abseits der eingeführten Distributionswege sich schriftlich äußern und an die Ã-ffentlichkeit treten können. Oftmals handelt es sich dabei um Medienverbünde, also Verlage, die Bücher, Zeitschriften, Jahrbücher, Almanache und Heftreihen gleichzeitig herausgeben. In vielen Fällen bestehen überdies Affinitäten zu spezifischen Autorenkreisen, oder die Lektoren und Redakteure treten - sozusagen in Personalunion - auch gleichzeitig als Autoren auf, zum Beispiel Robert Müller, Rene Schickele oder Franz Werfel.

     

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