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Ã"ra der Wider- sprüche und Umbrüche



Die Zeit, in der die Expressionisten ihre wichtigsten literarischen Leistungen abfassen und veröffentlichen, ist eine Ã"ra tiefer gesellschaftlicher Widersprüche und radikaler geschichtlicher Umbrüche. Nach dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 erlebt das neu gegründete Deutsche Kaiserreich unter der Führung Preußens eine mehr als vier Jahrzehnte währende Periode des Friedens. Gleichzeitig aber wird der Staat, insbesondere unter Wilhelm

II.

, in einem noch niemals da gewesenen Maße militarisiert. Auf allen Gebieten der Kriegskunst betreibt man eine immense Aufrüstung, und militärisches Gebaren im Alltag, Uniformen in sämtlichen Lebensbereichen und die Verherrlichung der eigenen Nationalgeschichte in Umzügen und Paraden bekommen eine immer größere Bedeutung . Die zentralen politischen Positionen nehmen im Deutschen Kaiserreich wie in den Habsburgischen Ländern Adlige ein. Doch die blaublütigen Eliten an den Spitzen der beiden Monarchien wirken verbraucht und anachronistisch. Franz Josef I. feiert - bezeichnend für diese Situation -1 sein 60-jähriges Thronjubiläum. Dem Adel, der die Fäden der Politik nach wie vor in seinen Händen zu halten versucht, steht das Bürgertumgegenüber, das durch seinen außerordentlichen wirtschaftlichen Erfolg nach und nach indirekt immens an Einfluss und Macht gewinnt. Darüber hinaus geraten zu der weitgehend erstarrten adligen Führungsschicht die massiven demographischen Veränderungen und der rasante Strukturwandel, zunehmend auch eine kaum mehr überblickbare, geschweige denn Steuer- und kontrollierbare technische Entwicklung in ein geradezu groteskes Missverhältnis . Dabei beziehen die überkommenen politischen Eliten massiv Stellung gegen neue gesellschaftliche Kräfte wie zum Beispiel die Sozialdemokratie und forcieren gleichzeitig zum Teil revolutionäre gesetzliche Neuerungen und Reformen, etwa den Durchbruch zum modernen Interventions- und Wohlfahrtsstaat. Es werden des Weiteren Parlamente eingerichtet, aber in Deutschland beispielsweise gilt das allgemeine', ,freie' und ,gleiche' Wahlrecht nur für Männer über dem 25. Lebensjahr, die nicht Empfänger einer öffentlichen Armenunterstützung sind. Außerdem bleiben die wichtigsten politischen Entscheidungskompetenzen, etwa die Bestellung des Reichskanzlers, der Oberbefehl über das Heer und die Kriegserklärung gegenüber anderen Staaten, uneingeschränkt in der Macht des Kaisers . Die Führung der Habsburgermonarchie stilisiert sich selbst zum Garanten für den Frieden unter den zahlreichen verschiedenen Ethnien ihres Territoriums. Doch nur mühsam können die schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen den deutschsprachigen Eliten und den tschechischen, slowenischen oder polnischen Untertanen, die eigene politische und kulturelle Rechte fordern, beschwichtigt werden. Die Illusion des friedlichen Vielvölkerstaates scheitert deutlicher denn je, als Ã-sterreich im Zuge des Zerfalls des Osmanischen Reichs auf dem Balkan erhebliche Gebietszugewinne verzeichnen kann, sich zugleich aber die Nationalitätenkonflikte weiter zuspitzen.

     

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