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Ideologische Separationen in der Spätzeit



Bei aller Nähe zu unterschiedlichen zeitgenössischen Erneuerungsbewegungen bleiben die tief greifenden Forderungen der Vertreter der Epoche nach einer grundlegenden Neuorientierung der europäischen Gesellschaften, ja nach einem gänzlich neuen Menschen während der frühen lahre der Bewegung inhaltlich relativ vage und unkonkret. Georg Heyms Ausfälle zum Beispiel gegen das preußische Beamtentum sind affektive Hasstiraden, aber nicht das Resultat eines fundierten theoretischen Reflexionsprozesses oder auch nur Manifestation einer sich überhaupt politisch begreifenden Opposition . Aufschrei, Pathos und rhetorische Ãobertreibung in der frühen Dichtung des Expressionismus sind nicht nur Ausdrucksformen für Anklage und messianische Verkündigung, sondern auch Kompensation inhaltlicher Verschwommenheit und Unklarheit hinsichtlich der philosophischen Grundlagen und der ideologischen Ziele . Erst im Verlauf des Ersten Weltkriegs präzisieren viele Autoren ihre Reformkonzepte. Dabei gehen die unterschiedli-chen Schriftsteller äußerst divergente Wege . Ernst Toller etwa entwickelt einen pazifistischen, anti-nationalistischen Sozialismus. Reinhard Johannes Sorge hingegen wendet sich der römischen Kirche zu. Auch das avantgardistische Dichterpaar Emmy Hennings und Hugo Ball vollzieht Anfang der 1920er Jahre eine radikale Wendung zu einem mystischen Katholizismus. Ball macht dies auch durch die Publikation eines Textes über drei Märtyrer mit dem Titel Byzantinisches Christentum - Drei Heiligenleben öffentlich . Eine wiederum gänzlich andere Richtung nimmt der Dramatiker Hanns Johst . Mit seinen frühen Arbeiten aus der Mitte der 1910er Jahre tritt er für eine pazifistische, internationalistische Verbrüderung aller Menschen ein. Nach dem Scheitern der Revolution vollzieht er einen radikalen Gesinnungswandel hin zu einer extrem rechtslastigen Kollektivideologie. In seiner Schauspielproduktion wendet er sich dem Konzept eines heroisch-kultischen Dramas zu, das um Schlagworte wie ,Volk', ,Führer', ,Heimat' und Kameradschaft' kreist, und avanciert zum Begründer der nationalsozialistischen Theaterkonzeption. Die Machtergreifung Hitlers bringt ihm schließlich auch Erfolg in der Kulturpolitik. Von 1935 bis 1945 leitet er als Präsident die Reichsschrifttumskammer und ist maßgeblich an der faschistischen Gleichschaltung des literarischen Lebens im ,Dritten Reich' beteiligt .
     

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