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Literatur des expressionismus

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Geographische, religiöse und ethnische Herkunft



Die Autoren der Bewegung kommen aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums. Neben vielen Berlinern, Preußen und Schlesiern finden sich zahlreiche Rheinländer oder Wiener. Der Expressionismus ist somit keine literarische Bewegung, die sich in irgendeiner Weise regionalisieren ließe . Viele der späteren Autoren verbringen ihre

Kindheit und Jugend in der Provinz, andere wachsen in den Metropolen Berlin, München, Wien oder Prag auf. Die meisten allerdings gehen zumindest zum Studium oder zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit in eine Großstadt. Des Weiteren finden sich sowohl protestantisch als auch katholisch sozialisierte Schriftsteller unter ihnen. Die Konfession spielt in den frühen Jahren der Bewegung freilich eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist - abgesehen von seltenen Ausnahmen wie dem katholischen Dichter Konrad Weiß - die den meisten Autoren gemeinsame Ablehnung der als erstarrt, verkrustet und verbürgerlicht empfundenen Amtskirchen jedweder Couleur. Manche von ihnen, etwa Jakob van Hoddis, durchleben religiöse Phasen, die sich auch poetisch manifestieren, bleiben letztlich aber auch vom Christentum als identitätsstiftender Ideologie enttäuscht . Erst viel später entdecken manche lutherischen Autoren den Katholizismus für sich als Form eines stark mystisch geprägten, irrationalen Glaubens. Sehr viele Expressionisten allerdings sind nicht christlich sozialisiert, sondern stammen aus einem jüdischen Milieu. Hier wäre, um nur einige Namen zu nennen, an Carl Einstein , Jakob van Hoddis, Franz Kafka, Else Lasker-Schüler, Kurt Pinthus oder Franz Werfel zu erinnern. Jüdische Herkunft und Identität führen freilich innerhalb der expressionistischen Bewegung nicht zu speziellen Gruppenbildungen oder eigenständigen Organisationsformen . Vielmehr versuchen die Autoren der Epoche ja gerade gegen die sie in Kindheit und Jugend prägenden Traditionen - auch die religiösen - gemeinsam zu rebellieren. Zu bedenken gilt es auch, dass die meisten jüdischen Expressionisten aus säkularisierten und assimilierten Familien stammen und daher schon allein während ihrer schulischen und universitären Ausbildung relativ stark in die christlich geprägte Mehrheitskultur integriert sind. Unübersehbar allerdings ist, dass die jüdischen Autoren eine Reihe von wichtigen Themen und Darstellungsweisen aus dem Bewusstsein ihrer diffe-renten Prägung und Identität in die Literatur der Epoche einbringen. Dazu gehören insbesondere die Rolle von Außenseitern, der Verlust von metaphysischen Gewissheiten oder der zur Groteske neigende Humor .
     

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