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Freie Schriftsteller



So selbstverständlich für die Expressionisten als Bürgersöhne eine her- vorragende Ausbildung ist und so deutlich vorgezeichnet dadurch ihr Weg in eine führende Position in Staat oder Wirtschaft zu sein scheint, sowenig bietet sich ihnen in der Regel die Alternative, auf der Basis elterlichen Kapitals oder einer Erbschaft einen einigermaßen gesicherten Eintritt in die Existenz eines Schriftstellers zu wagen. Dagegen sprechen nicht bloß sym-bolische Gründe, seien es die Selbstbilder der Autoren, die einen solchen Weg ablehnen, oder die Weigerung der Väter, einen nicht-bürgerlichen Berufsweg ihres Nachwuchses zu befürworten. Vor allem stehen im Bürgertum des späten Wilhelminismus und der ausgehenden Habsburgermonarchie trotz des erheblichen Standesdünkels gar nicht die entsprechenden finanziellen Ressourcen zur Verfügung. Konsequenz ist, dass nur wenige Autoren das große Wagnis eingehen, nach dem Studium eine Laufbahn als freier Schriftsteller einzuschlagen. Gerade für die Avantgardisten ist das damit verbundene, existentielle Risiko extrem hoch, da sie nicht nur ihren eigenen Namen am literarischen Markt platzieren, sondern zugleich mit einer ganz neuen, dem Publikum noch unbekannten Ã"sthetik reüssieren müssen. Die Honorare für die Veröffentlichung eines literarischen Werkes in einem jungen Verlag, das - zumindest kurzfristig - wenig Aussicht auf breiten Erfolg verspricht, bleiben bescheiden. Ein heutzutage selbstverständliches System von Preisen und Stipendien für junge Künstler entwickelt sich erst langsam. Für die freien Schriftsteller unter den Expressionisten, etwa für Yvan Goll und Klabund, bleibt daher die Abfassung von Essays und Artikeln, auch von programmatischen Texten, für Zeitungen und Zeitschriften ebenso eine notwendige regelmäßige Einkommensquelle wie die Tätigkeit als literarischer Ãobersetzer. So stehen manchen idealistischen theoretischen Konzepten ein starker materieller Zwang und eine massive Abhängigkeit vom Publikumsinteresse und von Konjunkturschwankungen gegenüber . Bei manchen Autoren der Epoche führt die kompromisslos praktizierte freie Schriftstellerexistenz in lebenslange Armut, zum Beispiel im Falle Albert Ehrensteins, oder gar in den Hungertod wie bei Otfried Krzyzanowski .

     

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