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Entgrenzung der Künste



Die besondere Pflege von Mehrfachbegabungen in der Epoche ist kein Zufall, vielmehr - wie sich am Exempel der musikalisierten Lyrik Trakis oder der Vereinigung von Librettist und Komponist in der Person Schönbergs bereits angedeutet hat - ein konstitutiver Bestandteil des ästhetischen Programms der Bewegung, das viele Expressionisten in ihrem Oeuvre umsetzen. Für sie gehört die starke Ausdifferenzierung der unterschiedlichen zeitgenössischen Künste wie etwa die Urbanisierung oder die Technisierung zu einem der problematischen Prozesse der Modernisierung, den sie in und mit ihren Werken wenigstens partiell wieder aufheben möchten. Sie sind daher auf mehreren künstlerischen Gebieten tätig oder versuchen diese sogar möglichst miteinander zu verbinden, zu verschmelzen oder wenigstens gegenseitig zu befruchten. Das 'synästheti-sche Zusammenspiel von Licht, Farbe, Wort, Musik und Körpersprache" zielt auf eine 'Intensivierung" des 'Ausdrucks" und der 'Wirkung" . Deutlicher Ausweis dieser Bestrebungen ist zum Beispiel die reiche graphische Ausstattung zahlreicher expressionistischer Zeitschriften. Ein besonders bemerkenswertes literarisches Dokument einer exemplarischen Text-Bild-Kombination datiert aus den Anfängen der Bewegung. 1909 legt der österreichische Zeichner Alfred Kubin einen phantastischen Roman mit dem Titel Die andere Seite vor, den er selbst mit 52 eindrücklichen Illustrationen versieht. Die Dramen des Malers, Graphikers und Schriftstellers Oskar Kokoschka , etwa Mörder, Hoffnung der Frauen , sind richtiggehend auf die Verwirklichung der Idee eines Gesamtkunstwerks hin angelegt. Sie sind geprägt von einer pathetisch-ekstatischen, stark musikalisierten Sprache und beziehen in die szenische Gestaltung expressive Färb- und Lichteffekte sowie tänzerische und pantomimische Elemente mit ein . Der Versuch einer Ãoberschreitung der eingefahrenen Grenzen zwischen den Künsten wird freilich nicht allein von Expressionisten mit auffälligen Mehrfachbegabungen unternommen. Auch die Zusammenarbeit von Schriftstellern, Malern oder Komponisten bei der Schaffung eines gemeinsamen Werks erlangt besondere Bedeutung. So erscheint etwa Albert Ehrensteins erste Prosaarbeit Tubutsch mit zwölf zu dem Text gezeichneten Illustrationen von Oskar Kokoschka .
     

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