Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur des expressionismus
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Kontexte



Bürgerliche Herkunft
In vielen Texten der Epoche wird eine radik
ale Bürger- und Bürgerlich-keitskritik artikuliert - sei es in Spottgedichten, in Erzählungen über wahnsinnig werdende Spießer (vgl. V. 1.) oder in Dramen über die Konflikte junger Männer mit ihren philiströsen Vätern. Solche Literarisierungen der Lebenspra [ ... ]
Schulische Bildung
Für die Bürgersöhne, die später als Expressionisten poetisch gegen ihre Herkunft rebellieren, ist der Besuch eines Gymnasiums beinahe selbstverständlich. Die Absolvierung einer angesehenen höheren Schule eröffnet den Weg zu den geistigen und Funktionseliten von Staat und Wirtschaft, denen in vielen [ ... ]
Akademische Ausbildung
Die meisten Expressionisten absolvieren nach dem Gymnasium ein Universitätsstudium, und die größere Zahl von ihnen schließt dieses auch erfolgreich ab, zu bedeutenden Teilen sogar mit dem Doktorat. Das Spektrum der Fächer, das die späteren Autoren belegen, ist sehr breit. Es reicht von verschiedenen [ ... ]
Bürgerliche Berufswahl
Viele Expressionisten entscheiden sich nach dem Studium für einen bürgerlichen Beruf, arbeiten mithin als Arzt, Rechtsanwalt oder Wissenschaftler. Daher liegen von zahlreichen wichtigen Repräsentanten der Epoche nicht nur dichterische Texte, sondern auch Fachveröffentlichungen vor. Hier sind zu alle [ ... ]
Freie Schriftsteller
So selbstverständlich für die Expressionisten als Bürgersöhne eine her- vorragende Ausbildung ist und so deutlich vorgezeichnet dadurch ihr Weg in eine führende Position in Staat oder Wirtschaft zu sein scheint, sowenig bietet sich ihnen in der Regel die Alternative, auf der Basis elterlichen Kapita [ ... ]
Literatur einer Generation
Die jungen Schriftsteller, die seit etwa 1910 mit einer neuen Ã"sthetik an die Ã-ffentlichkeit drängen, werden nicht zu Unrecht schon von den Zeitgenossen als eine gemeinsame Generation begriffen. Tatsächlich wird ein Großteil der heute bekannten Expressionisten zwischen 1885 und 1895 geboren (vgl. [ ... ]
Geographische, religiöse und ethnische Herkunft
Die Autoren der Bewegung kommen aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums. Neben vielen Berlinern, Preußen und Schlesiern finden sich zahlreiche Rheinländer oder Wiener. Der Expressionismus ist somit keine literarische Bewegung, die sich in irgendeiner Weise regionalisieren ließe (vgl. Raabe 1992 [ ... ]
Andere Reformbe- wegungen innerhalb der Generation
Die radikale Traditions- und Institutionenkritik der Bewegung auf dem Gebiet der Dichtung weist vielfältige Parallelen zu Reformbewegungen von etwa gleichaltrigen Zeitgenossen auf anderen gesellschaftlichen und kulturellen Feldern auf. So sind beispielsweise bemerkenswerte Ã"hnlichkeiten zwischen de [ ... ]
Ã"ra der Wider- sprüche und Umbrüche
Die Zeit, in der die Expressionisten ihre wichtigsten literarischen Leistungen abfassen und veröffentlichen, ist eine Ã"ra tiefer gesellschaftlicher Widersprüche und radikaler geschichtlicher Umbrüche. Nach dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 erlebt das neu gegründete Deutsche Kaiserreich unter der F [ ... ]
Industrialisierung
Dem veralteten politischen Gefüge im deutschsprachigen Raum stehen in den Jahrzehnten um 1900 unerhörte gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse gegenüber. Seit etwa 1850 ist eine massive Veränderung der Sozialstruktur zu beobachten. Grund dafür ist das gegenüber Frankreich und Großbritannien versp [ ... ]
Urbanisierung
Integraler Bestandteil dieses Modernisierungsprozesses ist die Urbanisierung (vgl. z.B. Vietta 1992, 273-282). Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vermehrt und in stetig zunehmendem Maße jedoch nach 1850, ist - wie bereits erwähnt - eine breite Wanderungsbewegung der Landbevölkerung i [ ... ]
Technisierung und großstädtische Infrastruktur
Zu dieser bislang in Mitteleuropa nicht da gewesenen Konzentration von Menschenmassen kommt die radikale Veränderung des urbanen Lebensraums durch den Anstieg der Mobilität und die technische Entwicklung. Die Pferdekutsche wird sukzessive durch das Automobil verdrängt, und die Straßenbahn durchfährt [ ... ]
Der Erste Weltkrieg
Mit der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand (1863-1914) in Sarajevo durch serbische Nationalisten Ende Juni 1914 ist nicht mehr als der direkte Anlass für den Ersten Weltkrieg benannt. Die tieferen Gründe für diese mehr als vier Jahre währende, globale militärische [ ... ]
Friedensschi uss und Nachkriegsordnung
Der Erste Weltkrieg bedeutet das Ende von vier Großmächten, nämlich Ã-sterreich-Ungarns, des Deutschen Kaiserreichs, des zaristischen Russischen und des Osmanischen Reichs. Es entstehen zahlreiche Nachfolgestaaten, und die politische Landkarte Europas verändert sich nachhaltig. Die Nachkriegsordnung [ ... ]
Kritik des Moderni- sierungsprozesses
Die philosophischen und ideologischen Grundlagen des Expressionismus wurzeln zu wichtigen Teilen bereits in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts. Sie konzentrieren sich um eine Reihe von Denkerpersönlichkeiten, die dem Geist und den dominanten Diskursen ihrer Zeit massiv widersprochen haben. Den [ ... ]
Nietzsche
Eine tragende Rolle kommt dabei dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche zu, dessen Werke etwa seit der Jahrhundertwende eine außerordentlich breite und intensive Rezeption erfahren. Zentrale Positionen seines Denkens, die er selbst niemals in die Form eines schlüssigen Systems zu überführen ve [ ... ]
Maeterlinck
Eine entscheidende Bedeutung für die ideologischen Grundlagen des Expressionismus kommt auch dem französisch-belgischen Schriftsteller Maurice Maeterlinck (1862-1949) zu. In seinen Dramen bringt er eine Welt auf die Bühne, in welche immer wieder unbegreifliche und geheimnisvolle Mächte des Kosmos ei [ ... ]
Bergson
Große Bedeutung erlangt für die Avantgardisten auch der französische Philosoph Henri Bergson (1859-1941). Dieser wendet sich ebenfalls energisch wider das materialistisch-mechanistische Weltbild der Zeit, die Ma-schinisierung, Verdinglichung, Entpersonalisierung und Entwertung des Lebens. Gegen die [ ... ]
Freud
Eine tragende Rolle innerhalb der denkerischen Grundlagen des Expres- sionismus kommt schließlich dem Wiener Nervenarzt Sigmund Freud zu. Er stellt dem Vertrauen in die Vernünftigkeit humanen Handelns die Einsicht entgegen, dass der Mensch in einem unerhört hohen Maße von seinen - teils nicht bewuss [ ... ]
Vitalismus
Alle genannten, für den Expressionismus außerordentlich wichtigen Denker stimmen in ihrer Ablehnung eines übersteigerten Rationalismus zugunsten einer Betonung der Kräfte des Lebens und des Leibes überein. Als brauchbarer Begriff für diese ideologische Position hat sich der Terminus Vitalismus etab [ ... ]
Lebensreform-bewegung
Die unterschiedlichen vitalistischen Denkansätze erlangen in den Jahrzehnten um 1900 nicht allein theoretisch eine starke Rezeption in allen Ländern Europas, insbesondere unter Intellektuellen, Künstlern und weiten Kreisen der jüngeren Generation aus dem bürgerlichen Milieu. Die Ablehnung der beherr [ ... ]
Ideologische Separationen in der Spätzeit
Bei aller Nähe zu unterschiedlichen zeitgenössischen Erneuerungsbewegungen bleiben die tief greifenden Forderungen der Vertreter der Epoche nach einer grundlegenden Neuorientierung der europäischen Gesellschaften, ja nach einem gänzlich neuen Menschen während der frühen lahre der Bewegung inhaltlich [ ... ]
Revolution auf dem literarischen Markt
Der Expressionismus ist nicht nur eine ästhetisch außerordentlich innovative Epoche der Poesiegeschichte, sondern bringt auch markante Veränderungen auf dem literarischen Markt der deutschsprachigen Länder mit sich. Mit der Bewegung entsteht und entwickelt sich eine Vielzahl an Verlagen, an Zeitschr [ ... ]
Verlage
Als zweifellos wichtigster Verlag des Expressionismus darf der Leipziger Betrieb von Kurt Wolff (1887-1963) gelten (vgl. Göbel 19761; Schumann 2000). Hier erscheinen zwar nicht nur avantgardistische Texte der jüngsten deutschsprachigen Dichter, sondern auch die Werke von lebenden Autoren anderer lit [ ... ]
Zeitschriften
Mindestens ebenso wichtig wie die Veröffentlichung von Büchern ist den Expressionisten die Verbreitung von Zeitschriften (vgl. Schacherl 1957). Sie sind in einem hohen Maße als Foren der aktuellen ästhetischen, poetologischen und ideologischen Selbstverständigung der Autoren innerhalb der Bewegu [ ... ]
Literaturvermarktung
Zu den expressionistischen Zeitschriften gehört in einer Reihe von Fäl- len ein größeres organisatorisches Umfeld, das den Texten der jungen Autoren eine breitere Ã-ffentlichkeit verschaffen und ihre Vermarktung unterstützen soll. Ein charakteristisches Beispiel dafür sind die vielfältigen Aktivität [ ... ]
Expressionistische Poesie, Malerei und Musik
Der Expressionismus ist nicht allein eine Epoche der Literatur, sondern al- ler Kunstrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts. Gestaltungsweisen, die typisch für die Dichtung der Bewegung sind, lassen sich auch in der Mu- sik, in der Bildenden Kunst oder in der Architektur nachweisen (vgl. z.B. die Be [ ... ]
Doppel- und Drei fachbegabungen
Ãober die ästhetischen Parallelen zwischen den unterschiedlichen Küns- ten hinaus ist die Bewegung durch eine auffällige Zahl an Mehrfachbegabungen gekennzeichnet. So sind viele wichtige Autoren zugleich bildkünstlerisch tätig und arbeiten viele Maler auch schriftstellerisch. Zu den prominentesten D [ ... ]
Entgrenzung der Künste
Die besondere Pflege von Mehrfachbegabungen in der Epoche ist kein Zufall, vielmehr - wie sich am Exempel der musikalisierten Lyrik Trakis oder der Vereinigung von Librettist und Komponist in der Person Schönbergs bereits angedeutet hat - ein konstitutiver Bestandteil des ästhetischen Programms der [ ... ]
Die neuen Medien Film und Hörspiel
Das Interesse der Expressionisten an der Ãoberschreitung der tradierten Grenzen zwischen den verschiedenen Künsten dokumentiert auch ihre Nutzung von neuen Publikationsmöglichkeiten, welche die moderne ur-bane Gesellschaft bietet. Dazu gehören auf der einen Seite Litfaßsäulen, auf denen Anschläge pl [ ... ]

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