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Vorläufer der Expressionismus-Debatte I933/34



Diese außerordentlich wichtige und für lange Zeit wirkungsreiche Station in der Rezeptionsgeschichte der Epoche wird im Allgemeinen als Expressionismus-Debatte bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine intensive und teils mit großem persönlichem und emotionalem Engagement ausgetragene Kontroverse zwischen linken, vorwiegend marxistischen Intellektuellen im Exil. Dieser zugleich ästhetisch und politisch motivierte Literaturstreit hat zumindest zwei bedeutsame Vorläufer in der öffentlichen Diskussion, ohne welche die Schärfe der Auseinandersetzung nicht zu verstehen ist. Zuerst einmal sind wichtige Argumente der Expressionis-mus-Debatte bereits im publik ausgetragenen Konflikt zwischen dem Exilschriftsteller Klaus Mann und Gottfried Benn angelegt . Der berühmte Berliner Arzt und Dichter bleibt nach der Machtergreifung Hitlers nicht nur in Deutschland. Vielmehr begrüßt er öffentlich den politischen Wechsel. In seiner Rundfunkrede Der neue Staat unddie Intellektuellen vom 24. April 1933 verkündet er das Ende der liberalen Ã"ra und eine Verabschiedung der demokratischen Geistesfreiheit zugunsten einer Indienststellung der literarischen Arbeit für eben diesen ,neuen Staat'. Klaus Mann, ein Verehrer der Lyrik des Dichters, antwortet ihm darauf aus der französischen Emigration entrüstet, irritiert und verständnislos. Benn reagiert darauf mit einem weiteren Rundfunkbeitrag. Darin erneuert er seine Proklamation, ja spitzt sie zu einer Vision von einem ,neuen Menschen' unter dem nationalsozialistischen Regime zu. Gleichzeitig denunziert er die aus Deutschland geflohenen Schriftsteller. Diese Provokation bringt Benn trotz seiner späteren Schwierigkeiten mit der Hitler-Diktatur nachhaltig in großen Teilen der literarischen Ã-ffentlichkeit in Misskredit . Mehr noch, da der Autor als einer der prominentesten Repräsentanten des Expressionismus gilt, gerät bei manchen Intellektuellen die gesamte Epoche unter Generalverdacht. Benn avanciert geradezu zum paradigmatischen Beispiel für einen bedeutenden Vertreter der Bewegung und gleichzeitig für ihre in Richtung auf den Faschismus weisende Ideologie . Das entscheidende Zeugnis dafür ist zugleich der zweite zentrale Vorläufer der Expressionismus-Debatte. 1934 veröffentlicht der marxistische Literaturtheoretiker und Philosoph Georg Lukäcs den viel beachteten Aufsatz ,Größe und Verfall' des Expressionismus . Darin wirft er den Vertretern dieser literarischen Bewegung vor, sie hätten in ihren Dichtungen dem Publikum einen Aufstand gegen das Bürgertum bloß vorgegaukelt. Ihre antibour-geoise Wendung sei nicht mehr als ein 'Scheinradikalismus" . In Wahrheit jedoch hätten sie sich ideologisch niemals von spießigem Philistertum und Kapitalismus verabschiedet, ja sie seien zeitweilig zu Pionieren des Imperialismus geworden .
     

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