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Expressionismus-forschung der DDR



Der nur mäßig fruchtbaren und innovativen Expressionismusforschung der BRD-Germanistik steht keineswegs eine intensive Auseinanderset- zung mit der Epoche in der DDR gegenüber. Im Gegenteil, die avant- gardistische Dichtung der 1910er und frühen 1920er Jahre wird von der Literaturwissenschaft in Ostdeutschland wenn nicht ignoriert, dann nur mit den größten Vorbehalten behandelt. Als prototypisches Beispiel kann der einschlägige Band der offiziellen DDR-Literaturgeschichte gelten. Er reicht bis 1917, also bis zum Jahr der russischen Oktoberrevolution, undzerschneidet mit diesem Datum, dessen Bedeutung für die deutschsprachige Kultur - etwa gegenüber 1914 oder 1918/19 noch zu befragen wäre - die Zeit des Expressionismus in zwei Teile. Mehr noch, dieser ist als Periode der deutschsprachigen Literatur in der Darstellung gar nicht präsent. Der avantgardistische Aufbruch um 1910 wird als 'vorrevolutionäre Situation" im Kontext des Niedergangs von Bourgeoisie und kapitalistischem Imperialismus begriffen, in der sich die vom Bürgertum geprägten und ihm letztlich verhaftet bleibenden jungen Autoren zum größten Teil 'keine wirklich kritische Position" - nämlich die des Kommunismus - hätten erarbeiten können . In anderen Arbeiten werden die ideologischen Positionen der meisten expressionistischen Autoren gegenüber den Vertretern anderer Strömungen der literarischen Moderne allenfalls als Annäherung an die Arbeiterbewegung und an den Sozialistischen Realismus begriffen, die letztlich aber in einem leeren ästhetischen Formalismus und in einer bourgeoisen Dekadenz stecken geblieben sei . In solchen rigiden Verdikten zeitigt offenkundig die Expressionismus-Debatte eine jahrzehntelange, fatale Nachwirkung. Bis in die letzten Jahre der DDR bleibt die ostdeutsche Forschungsliteratur zur Epoche spärlich und in ihrer politisch begründeten, ablehnenden Haltung nahezu unverändert. So wird in Arbeiten, die kurz vor der politischen Wende von 1989 erscheinen, zwar der radikale antibürgerliche Affekt der Schriftsteller der Bewegung besonders hervorgehoben, zugleich jedoch die Unfähigkeit von vielen unter ihnen kritisiert, die fortschrittlichen politischen Kräfte zu erkennen und sich ihnen anzuschließen. Damit bleiben die vehementen Vorbehalte gegen die formalistischen, manieristischen und individualistischen Tendenzen der expressionistischen Dichtung unverändert erhalten .

     

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