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Expressionismus-Debatte I937/38



Die eigentliche Expressionismus-Debatte ist eine intensive literatur- theoretische Diskussion, die 1937/38 von Emigranten aus dem ,Dritten Reich' geführt wird . Das öffentliche Forum dafür bietet die Moskauer Exilzeitschrift Das Wort . Ausgelöst wird der Streit durch den kommunistischen Schriftsteller und Literaturtheoretiker Alfred Kurella . Er ist in jenen Jahren neben Johannes R. Becher der einflussreichste deutsche Kulturpolitiker im Moskauer Exil. Unter einem Pseudonym veröffentlicht er nun im September 1937 im Wort einen Aufsatz, in dem er Lukäcs' These, der Expressionismus habe das von ihm so angefeindete Bürgertum tatsächlich niemals hinter sich gelassen, noch weiter radikalisiert. Er formuliert das scharfe Verdikt, dass 'der Geist, der den Expressionismus hervorge-bracht habe, [...] auch in den Faschismus geführt" habe . Diese Behauptung löst eine weit reichende Debatte aus, an der sich in der Zeitschrift Das Wort zahlreiche prominente Schriftsteller, Literaturkritiker und Kunsttheoretiker beteiligen, darunter auch viele ehemalige Vertreter der Bewegung wie Herwarth Waiden und Rudolf Leonhard . Lukäcs, der sich ebenfalls in die Diskussion einmischt, geißelt den letztlich bourgeoisen Irrationalismus der für ihn präfaschistoiden Avantgarde der 1910er Jahre. Eine modernen marxistischen Ansprüchen genügende literarische Kunst will er allein in der Umsetzung des Modells eines sozialistischen Realismus sehen. Die poetischen Produkte des dekadenten Expressionismus jedoch könnten nicht in das kulturelle Erbe einer neuen kommunistischen Gesellschaft mitgenommen werden. Demgegenüber besteht vor allem der Philosoph Ernst Bloch darauf, dass der Marxismus auf die Kunst der europäischen Avantgarde nicht verzichten könne und solle. Gerade die expressionistische Literatur sei im Kern humanistisch, volkstümlich und revolutionär und somit ein unabdingbares Erbe des zu Ende gehenden bürgerlichen Zeitalters. Offiziell wird die Debatte im Wort mit einem Resümee Kurellas abgeschlossen. In der kulturpolitischen Essayistik und in Korrespondenzen bleibt die Kontroverse allerdings über Jahre hin noch präsent, unter anderem in Ã"ußerungen Lukäcs', Bertolt Brechts und Anna Seghers' .
     

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Expressionismus-Debatte  I937/38    


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