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Literatur des expressionismus

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Erste wissen-schaftliche Einzel-untersuchungen



Seit Mitte der 1920er Jahre erscheint eine Reihe von Einzeldarstellungen zu verschiedenen Aspekten der Epoche, sowohl in Form von wissenschaftlichen Aufsätzen als auch

von Monographien. Gleichwohl avanciert die Bewegung nicht zu einem bevorzugten Gegenstand der Neugermanistik. Der letztlich recht geringe Umfang der Auseinandersetzung mit der Epoche wird immer wieder von harschen negativen Urteilen über sie begleitet, etwa mit Bezug auf ihre vorgeblich übertriebene Bildsprache . Charakteristisch für eine besonders wichtige Facettederfrühen literaturwissenschaftlichen Expressionismus-Rezeption ist die 192 7 erschienene Studie Der expressive Mensch und die deutsche Lyrik der Gegenwärtig]. Schneider 1927). Auf der einen Seite konzentriert sich die Untersuchung auf die Lyrik der Epoche, genauer gesagt vor allem auf vor 1914 entstandene Gedichte, insbesondere von Yvan Goll, Georg Heym, Ernst Stadler und Franz Werfel. Damit wird durch die Monographie einer wirkungsreichen und außerordentlich starken Verengung eines überschaubaren und ästhetisch extrem überhöhten Höhenkamms einiger weniger kanonisierter Autoren und Texte zugearbeitet. Andererseits wird der Expressionismus mittels allgemein-anthropologischer und substantialisie-render Kategorien konstituiert. Grundlage der Epochendefinition ist die Annahme eines ,expressiven Menschen' und dessen spezifischen ekstatischen Lebensgefühls. Dieser humane Typus trete zu verschiedenen Zeiten der Geschichte immer wieder auf und produziere Literatur - und so auch um 1910 . Ein derartiger, tendenziell unhistorischer Zu-gang zur Epoche wird erst um 1970 endgültig zugunsten einer vorrangig sozial- und kulturgeschichtlichen Perspektivierung verabschiedet. Allerdings handelt es sich hier nur um einen - wenn auch sehr wichtigen -Strang der frühen Expressionismusforschung. Dem stehen schon bald Arbeiten gegenüber, die mit der Einbettung der Epoche in ihre engeren philosophischen und politischen Kontexte befasst sind. Eine wichtige Differenzierung der vielfältigen Strömungen und Ausprägungen innerhalb der Bewegung wird beispielsweise 1935 in die Forschung durch die Untersuchung Expressionismus und Aktivismus eingebracht . Demzufolge gilt es zwischen denjenigen Autoren zu unterscheiden, die primär lebensreformerische und somit metaphysisch fundierte Ideen verfolgen und literarisieren, und auf der anderen Seite solchen - den Aktivisten -, die sich vor allem politische und gesellschaftliche Ziele stecken . Einen anderen, nicht weniger wichtigen Akzent bei der Aufarbeitung der Epoche setzt eine etwas später publizierte Untersuchung zur Geschichte der Ausdruckskunst im 20. Jahrhundert . Hier wird besonders der antinaturalistische Affekt des Expressionismus betont, also die Rückbesinnung der jüngeren Autorengeneration um 1910 auf religiöse, spirituelle und mystische Traditionen in Absetzung von einer Ã"sthetik, die vorrangig an einer möglichst detailgetreuen dichterischen Repräsentation der äußeren Wirklichkeit interessiert ist . Um 1930 entstehen an deutschen Universitäten auch die ersten Dissertationen über Detailaspekte der expressionistischen Poetik und Poesie . Gleichzeitig beginnt auch im nichtdeutschsprachigen Raum, zum Beispiel in Großbritannien, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Epoche . Nur allzu bald jedoch wird eine seriöse Beschäftigung mit ihr nur noch außerhalb Deutschlands möglich sein.

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