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Literatur des expressionismus

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Erste theoretische Diskussionen



Die avantgardistische Kunst und die expressionistische Literatur, mit denen um 1910 eine junge Generation von Intellektuellen an die Öffentlichkeit tritt, fordern von Anfang an zur theoretischen Diskussion heraus. Die Auseinandersetzungen um die neue Ästhetik, ihre philosophischen Grundlagen und ihre ideologischen Ziele finden während der ersten Jahre vor allem innerhalb der Bewegung in Form von Manifesten und Programmen, aber auch von poetologischen Essays und literaturkritischen Arbeiten statt. Sukzessive jedoch nehmen bereits etablierte, ältere Schriftsteller und Theoretiker Notiz von der sich ausbildenden Sub- respektive Gegenkultur und reflektieren sie . Eines der frühesten Zeugnisse hierfür ist ein Pamphlet des Wiener Schriftstellers und Journalisten Karl Kraus in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel gegen die Berliner avantgardistischen Kreise. Diese bezeichnet er, einem geläufigen Sprachgebrauch der Zeit folgend, als "Neutöner" und tituliert sie - nahe an der Denunziation - unter anderem als Repräsentanten einer "rabiaten Geistesarmut" . Das markanteste und heute bekannteste Beispiel für die frühe Auseinandersetzung mit der Bewegung ist der 1916 publizierte Band Expressionismus von Hermann Bahr, die erste wichtige selbstständige Publikation zum Thema . Die Abhandlung, hervorgegangen aus einem populärwissenschaftlichen Vortrag, widmet sich in erster Linie den jungen Malern der Bewegung. Die Schriftsteller hingegen, die uns heute als die zentralen Repräsentanten der Epoche geläufig sind, scheint der Autor überhaupt nicht zu kennen, abgesehen von Albert Paris Gütersloh . Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass die expressionistische Dichtung zu diesem Zeitpunkt nach wie vor nicht die breitere literarische Öffentlichkeit erreicht hat. Bedeutsam ist Bahrs Beitrag dennoch, da er nicht allein zentrale ästhetische Positionen der Bewegung wie auch einige ihrer theoretischen Grundlagen konzise herausarbeitet, sondern sie auch richtig als den Versuch einer radikalen Erneuerung aller Künste, ja der gesamten Gesellschaft begreift . In den folgenden Jahren intensivieren sich die öffentlichen Äußerungen zum Expressionismus, die freilich nur zum Teil auf einer profunderen Sachkenntnis basieren als die Einlassungen Bahrs. Auch arrivierte Autoren wie Hermann Hesse, Thomas Mann oder der dem Ästhetizismus verpflichtete Lyriker und Literaturwissenschaftler Friedrich

Gundolf nehmen nach und nach Stellung .
     

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