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Literatur des expressionismus

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Vorläufer der Expressionisten



Bei jeder literarhistorischen Rekonstruktion einer Epoche gesellen sich zu denjenigen Autoren, die derselben nur bedingt zuzurechnen sind, auch deren Vorläufer. Im Fall des Expressionismus ist zuallererst Frank Wedekind zu nennen. Schon etliche Jahre vor dem ersten öffentlichen Auftreten der Expressionisten setzt er sich mit der unüberbrückbar scheinenden Kluft zwischen den Kräften des kreatürlichen Lebens und der in Konventionen erstarrten bürgerlichen Gesellschaft auseinander . In vielen seiner Texte geißelt er die Avitalität, die Farblosigkeit, das schematische Denken und das Sicherheitsstreben des Spießers und stellt dem Typus des gründerzeitlichen Philisters Figuren von elementarer Lebenskraft gegenüber . Als zweite herausragende Vorläuferin, in späteren Jahren auch zentrale Repräsentantin des Expressionismus gilt die Dichterin Else Lasker-Schüler . Bereits 1902 veröffentlicht sie ihre erste Gedichtsammlung mit dem Titel Styx. Diese enthält, ebenfalls vorausweisend auf die poetische Revolution um 1910, Lyrik von un-gebändigt lebensbejahender Leidenschaftlichkeit. Die Autorin literarisiert in ihren Gedichten gegen das Zeitübliche ein ungestümes, rational nicht gezügeltes, sinnlich-vitales Begehren. Sprache, Metaphorik und formale Gestaltung dieser Texte erscheinen weit über das um die Jahrhundertwen-de Konventionelle hinaus dynamisiert, gesteigert und verdichtet . Während Wedekind und Lasker-Schüler, die beide etwa zwei Jahrzehnte älter sind als die meisten Expressionisten, schon um 1900 mit den stilistischen Usancen der Literatur ihrer Zeit, des Impressionismus und des Fin de siede brechen, verbleiben die frühen Versuche vieler Schriftsteller der jüngeren Generation weitgehend innerhalb der herrschenden Strömungen jener Jahre. Dies lassen beispielsweise die ersten überlieferten Texte von Georg Heym , Georg Kaiser , Reinhard Johannes Sorge , Ernst Stadler , Carl Sternheim oder Georg Trakl überdeutlich erkennen .

      Die Vielfalt des literarischen Lebens um 1910 in Stil, literarischer Pro- München grammatik und ideologischer Orientierung lässt sich beispielhaft an der als Beispiel damaligen Situation in München veranschaulichen . Die Stadt ist in dieser Zeit ohne jeden Zweifel eines der bedeutendsten Zentren der deutschsprachigen Moderne. Zahlreiche anerkannte wie auch aufstrebende Künstler leben, arbeiten und wirken um die Jahrhundertwende in Bayerns Hauptstadt. Hier werden die beiden zentralen publizistischen Organe des Jugendstil herausgegeben, Jugend und Die Insel . Gleichzeitig erscheint vor Ort die wichtigste deutsche Satirezeitschrift Simplicissimus . Einige der bedeutendsten Komiker, Humoristen und Kabarettisten der Zeit sind in München ansässig, unter ihnen Karl Valentin , Joachim Ringelnatz , zeitweise auch Oskar Panizza . In der Stadt ist darüber hinaus der elitäre Kreis um Stefan George zu Hause. Ferner beherbergt sie Schriftstellerinnen und Schriftsteller so unterschiedlicher poetischer Provenienz und ästhetischer Ausrichtung wie Ricarda Huch , Annette Kolb , Thomas Mann und den bereits erwähnten Frank Wedekind, einige Jahre auch Rainer Maria Rilke. Teils können diese Autoren Kategorien wie Impressionismus, Neuromantik oder Symbolismus zugerechnet werden, teils scheinen sie sich mit ihren vielschichtigen Oeuvres den üblichen Epochenbezeichnungen der Literaturwissenschaft gänzlich zu entziehen. Schließlich gibt in München der konservative Publizist Karl Muth die katholisch-reaktionäre Zeitschrift Hochland ebenso heraus wie am Ort Ludwig Thomas Heimatromane und -erzählungen entstehen. Zugleich ist die Stadt ein Zentrum der modernen Malerei, in der die Künstlervereinigung 'Der Blaue Reiter" gegründet wird und Aufsehen erregende avantgardistische Ausstellungen in Szene setzt . Aber auch junge innovative Schriftsteller wirken in München. So scharen sich um Franziska zu Reventlow , später um Erich Mühsam zahlreiche Bohemiens und Cafehaus-Literaten. Nach und nach gesellen sich zu ihnen eine Reihe von Autoren, die dem Expressionismus zuzurechnen sind oder der Bewegung wenigstens nahe stehen. Zuihnen zählen Johannes R Becher , Hans Harbeck , Emmy Hennings , Klabund , Karl Otten und Gustav Sack , die sich regelmäßig in ihrem Stammlokal, dem Schwabin-ger 'Cafe Stephanie" begegnen .
     

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