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Literatur des expressionismus

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Typische Cestaltungsweisen



Für eine angemessene Literarisierung ihrer radikalen Gesellschaftskritik suchen die Autoren der Epoche nach spezifischen Gestaltungsweisen . Da die Expressionisten den Anspruch verfolgen, eine gänzlich neue Deutung der gegenwärtigen Welt zu leisten, greifen sie zu unterschiedlichen innovativen, teils experimentellen Formen der poetischen Darstellung. Zu den profiliertesten neuen Gestaltungsmustern gehört auf dem Gebiet der Lyrik die Reihentechnik. Disparate, scheinbar unzusammenhängende Fragmente aus der Wirklichkeitswahrnehmung erscheinen un-verbunden aneinander gereiht. Diese Schreibstrategie verarbeitet die Ãoberforderung des Subjekts durch das Chaos an Wahrnehmungen in der modernen Großstadt und die daraus hervorgehende Ich-Dissoziation. Im
Dienste einer der zeitgenössischen Moderne adäquaten Fiktionalisierung von Realität steht auch die demonstrative Sprengung eingespielter sprachlicher und ästhetischer Normen. Wessen Erkenntnisvermögen tiefgreifend durch die übermäßig auf ihn einstürzenden Eindrücke gestört ist, der besitzt nicht mehr mit Sicherheit in jedem Moment die Vollmacht über die korrekte grammatische oder syntaktische Form seiner Ã"ußerungen. Oder der Reim etwa in einem Gedicht gaukelt mit seinem Gleichklang eine trügerische harmonische Textgestalt vor und muss daher verabschiedet werden. Oder die Logik eines klassischen fünfaktigen Tragödienaufbaus steht zur Brüchigkeit, Zufälligkeit und Sinnlosigkeit moderner Biographien in einem so schneidenden Missverhältnis, dass sie im Stationendrama zugunsten der Aneinanderreihung einer Kette von relativ unzusammengehörigen Szenen aufgegeben wird. Typisch für den Expressionismus ist des Weiteren die Tendenz zur Abstraktion. Einzelheiten in der Darstellung eines Gegenstandes werden dezidiert vernachlässigt, soziale Schichten in ihrer Gesamtheit durch eine Figur repräsentiert. Hierin manifestiert sich eine Absage an die als defizient empfundene Wirklichkeit ebenso wie der Wille zu einem radikalen Blick auf die Moderne, der nicht über einer Beschäftigung mit den Details deren essentielle Krise übersehen möchte. Die Ã"sthetik schließlich kann nicht mehr als die Lehre vom Schönen begriffen werden. Die Moderne hat für die Sinne keine angenehmen Erfahrungen mehr zu bieten - es sei denn den längst hinfälligen Schein der verlogenen bürgerlichen Poesie. Die jungen Autoren setzen daher ostentativ auf die Verkehrung der bisherigen Werte der Kunst. Sie propagieren und praktizieren eine Ã"sthetik des Hässlichen, die sich auf die Poetisierung des Abstoßenden, Ekel Erregenden, Widerlichen, Düsteren kapriziert .
     

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