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Stilistik und Rhetorik



Im Dienste der effektvollen Vermittlung ihrer modernekritischen Vorstellungen entdecken die Expressionisten das Instrumentarium der Rhetorik wieder für die Poesie. Vor allem die Lehre von der Wirkfunktion des movere, des Bewegens des Publikums, der durch die Mittel der Redekunst gezielt gesteuerten Erregung von Affekten, erhält große Aufmerksamkeit. Wer die Welt tadeln und verändern möchte, benötigt ein passendes Werkzeug für die Verbreitung seiner Kritikpunkte und Erneuerungsideen. Deshalb finden sich in vielen Texten der Epoche in auffällig großer Zahl und außerordentlicher Massierung bestimmte rhetorische Strategien eingesetzt, die von der elocutio, der Lehre vom Redeschmuck, traditionell als besonders dienlich für die Erzeugung von starken Emotionen bei den Rezi-pienten angesehen worden sind. Dazu zählen unter anderem die Hyperbel , die Klimax , die congeries , die exciamatio , der Imperativ oder die Anapher . Ãober diese die Affekte stimulierenden Stilmittel hinaus kommen in expressionistischen Texten weitere spezifische rhetorische Techniken zum Einsatz, die besonders geeignet für die literarische Umsetzung der zentralen ideologischen Positionen erschei-nen. Die Antithese bietet die Möglichkeit einer sprachlichen Zuspitzung der unlösbaren Widersprüche der Moderne, welche die Expressionisten allenthalben, zum Beispiel im Bürgertum, konstatieren. Die Synekdoche erlaubt es, die inhumane Reduktion eines Menschen auf eine einzelne Eigenschaft oder ein einziges Körperteil, etwa innerhalb eines Klinikbetriebs auf ein krankes Organ ohne Rücksicht auf die Gesamtbefindlichkeit des Patienten, darzustellen. Die Prosopopöie ermöglicht die Verlebendigung von Tieren oder leblosen Gegenständen. Die Synästhesie unterstützt nicht nur die Wirkung eines Textes auf mehrere oder sogar alle Sinne des Menschen, sondern zielt auch, etwa in der forcierten Musikalisierung der lyrischen Sprache, auf die Aufhebung der Grenzen zwischen den Künsten . Besondere Bedeutung gewinnen schließlich alle Formen von Bildlichkeit. Vergleiche, Metaphern oder Allegorien können nicht allein zur wirkungsreichen Fiktionalisierungder verhassten gegenwärtigen Realität dienen. Sie eröffnen vielmehr auch die Möglichkeit einer bildkräftigen Illustration der von den Expressionisten entworfenen poetischen Gegenwelten. Sinnenfällig können sie die für die Bewegung typische, vitalis-tische Glorifizierung organischer Prozesse, ihren Erdenkult, ihre Diesseits-und Kriegsverherrlichung veranschaulichen .
     

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Stilistik  Rhetorik    


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