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Obere Epochengrenze



Das Ende der Epoche wird in den Jahren 1920 bis 1925 von expressionistischen Autoren selbst wie auch von Kritikern, die der Bewegung nicht nahe stehen, intensiv diskutiert . Eine Reihe von unterschiedlichen Gründen für das Ende dieser Periode der Literaturgeschichte wird namhaft gemacht. Dazu gehören, so paradox dies auf den ersten Blick klingt, der zunehmende materielle Erfolg und die sukzessive Popularisierung expressionistischer Texte . Die Avantgardisten von 1910 wenden sich anderthalb Jahrzehnte später von ihren eigenen ästhetischen Positionen ab, weil diese in ihren Augen inzwischen verbürgerlicht, zur Konvention, zum Allgemeingut geworden sind. Kasimir Edschmid formuliert spitzzüngig: ,,[l]ch bin gegen Expressionismus, der heute Pfarrerstöchter und Fabrikantenfrauen umkitzelt." Hinzu kommt die sukzessive steigende Konkurrenz durch die jüngeren avantgardistischen Strömungen, die dem Expressionismus den Rang einer modernen und zeitgemäßen literarischen Verarbeitung der aktuellen Wirklichkeit abstreiten. Darüber hinaus wird immer wieder ein Erschlaffen, ein Verschleiß der typischen Gestaltungsmittel der Epoche konstatiert. Schließlich signalisiert für viele Expressionisten auch die politische Entwicklung in Deutschland das Ende der
Epoche. Besonders für die linksaktivistischen Autoren der Bewegung gehören die literarischen Gestaltungsweisen, die dichterischen Organisationsformen und die ideologischen Ziele der Bewegung untrennbar zusammen. Die Hoffnungen, die sie an das Ende des Ersten Weltkriegs, den Zusammenbruch der Monarchie und den Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft geknüpft haben, erscheinen ihnen mit dem Scheitern der Revolution und der Installierung der Weimarer Republik somit ebenso zerstört wie die gesamte expressionistische Idee . Trotzdem markiert die Mitte der 1920er Jahre keineswegs das definitive oder absolute Ende der ästhetischen und ideologischen Grundpositionen, der charakteristischen Gestaltungsweisen und der Publikationsorgane der Epoche. Manche Schriftsteller der expressionistischen Generation halten noch Jahre, ja Jahrzehnte, vereinzelt gar ihr Leben lang an ihren Stilvorstellungen und an ihren politischen Idealen fest. Die beiden wichtigsten Zeitschriften der Epoche, Der Sturm und Die Aktion , stellen erst 1930 respektive 1932 ihr Erscheinen ein.

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