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Möglichkeiten der Epochendefinition



Beinahe unzählige Male ist in der Forschung bestritten worden, dass es überhaupt möglich sei, den Expressionismus angemessen und überzeu- gend zu definieren . Hierfür werden etwa die Ã"ußerungen gewisser Autoren ins Treffen geführt, die sich zu irgendeinem Zeitpunkt dagegen verwahrt haben, ihr Werk oder gar sich selbst als Person der Epoche zugeordnet zu sehen. Freilich leistet die Periodisierung der Literaturgeschichte die Wissenschaft, nicht der Schriftsteller. Viel wichtigere Gründe für jene Skepsis sind lange Zeit allzu einseitige und substantialistische Epochendefinitionen gewesen. Wenn einerseits der Expressionismus allein anhand von spezifischen Kennzeichen einer einzelnen, ganz bestimmten theoretischen Grundlage - zum Beispiel von gewissen stilistischen Gestaltungsmustern oder aber einer gewissen fundamentalen Ideologie - bestimmt wird, beginnen sich in vielen Fällen die Unterschiede zu angrenzenden literarischen Strömungen zu verflüssigen. Wenn auf der anderen Seite ganz bestimmte Merkmale als absolut und unabdingbar notwendige Kennzeichen eines expressionistischen Textes begriffen werden, so finden sich immer Beispiele aus dem Oeuvre eines Schriftstellers der Epoche, die einer solchen Einordnung nicht gehorchen. Der Versuch, den Expressionismus auf der Grundlage einiger weniger, theoretisch zusammengehöriger und zwingend notwendiger Merkmale der ihm subsumierten Texte zu definieren, wird offenkundig der Komplexität dieser literaturgeschichtlichen Periode nicht gerecht. Eine konstruktivistische Eingrenzung des Phänomens verfügt hingegen über die erforderliche Breite des Definitionsansatzes und die gebotene Relativität in der Merkmalbestimmung der Epoche. Sie kann sich dabei auch auf eine gängige literaturgeschichtliche Praxis stützen und berufen, die seit Jahrzehnten Gewinn bringend und innovativ über den Expressionismus forscht und lehrt, obwohl andauernd die Berechtigung dieses Begriffs vehement bestritten wird. In die Definition der Epoche gehen demnach Merkmale ganz unterschiedlicher theoretischer Provenienz neben einander ein. Sie ist sowohl von stil- und ästhetik- als auch ideologiegeschichtlichen Kennzeichen und - inhaltlich betrachtet - von einem 'Grundbestand von Handlungsmustern, Geschehensabläufen [...] und Rollenfiguren", von bestimmten Themen, Bildern und Figuren geprägt . Dabei muss - und kann - nicht jeder Text, welcher der Epoche zugeschlagen wird, jedes einzelne Merkmal aufweisen, sondern nur hinreichend viele, um ihn als expressionistischen Text zu charakterisieren. Umgekehrt müssen nicht alle Merkmale ausschließlich in Texten dieser einen Epoche nachzuweisen sein, sondern können sich auch in anderen Strömungen der Zeit aufspüren lassen. Dies gilt zum Beispiel für messianische oder utopische Ideen, die sich gleichzeitig in unterschiedlichen Ausprä-gungen avantgardistischer Literatur finden . Typisch für den Expressionismus allerdings ist die spezifische Bündelung von die Epoche charakterisierenden Kennzeichen. Auf einer solchen methodischen Grundlage ist es im Folgenden möglich, eine Reihe von Merkmalen aufzuzählen, welche es erlauben, trotz ihrer je unterschiedlichen Gewichtung und Kombination einen Text dem Expressionismus zuzuordnen.


     

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