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Literatur des expressionismus

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Kognitive Voraussetzungen



In der zeitgenössischen Entwicklung der Gesellschaft sehen viele Expressionisten jedoch nicht bloß eine massive äußere Bedrohung des Menschen. Das Individuum hat nicht allein mit der Angst vor Krankheit oder Versagen und einem daraus folgenden sozialen Abstieg zu kämpfen. Die industrielle Entwicklung, die technischen und medialen Innovationen nehmen vielmehr massiv Einfluss auf den Wahrnehmungsapparat und das Erkenntnisvermögen des Einzelnen . Die gerade in der Großstadt überaus rasch voranschreitenden Veränderungen - ihr rasches Wachstum, die Elektrifizierung, das Entstehen von unkontrollierbaren Verkehrsströmen - können von den Menschen nur noch schwer kognitiv verarbeitet werden. Sie führen zu einem Gefühl der Instabilität bei der Verarbeitung der sinnlichen Eindrücke, das literarisch ebenso thematisiert wird wie die rasanten äußerlichen Wandlungsprozesse selbst. Die Rasanz der Entwicklungen wird gar als ständige Beschleunigung des gesamten Lebens wahrgenommen, für die nach einer adäquaten poetischen Umsetzung gesucht wird. Die unausgesetzte Akzeleration aller Sinneseindrücke führt schlussendlich eine Dissoziation des Ich herbei. Die Einheit des Subjekts zerbricht unter dem reizüberflutenden Bombardement mit den unterschiedlichsten starken Wahrnehmungen. Ã"ußerlich wird das Individuum durch die Einbindung in maschinelle Abläufe am Arbeitsplatz wie in den Massenverkehrsmitteln oder im Kino entmenscht, innerlich durch den Verlust eines homogenen Erkenntnisvermögens. Die Fiktionalisierung der Herabwürdigung des Subjekts zum Tier oder zum Ding liegt konsequenterweise ebenso nahe wie umgekehrt die poetische Vermenschlichung von Fauna, Flora und leblosen Gegenständen.
     

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Kognitive  Voraussetzungen    


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