Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur des expressionismus
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Epochenbegriff



Rahmenbedingungen der Epochendefinition
Epochen der Literatur- und Kulturgeschichte sind keine wirklich existierenden Lebewesen oder Substanzen. Es gibt sie nicht so wie etwa Tiere, Pflanzen oder anorganische Stoffe. Die realen und greifbaren Träger von Poesie sind einerseits Autoren und auf der anderen Seite Medien. Schriftsteller verfer [ ... ]
Vorgeschichte des Wortes 'Expressionismus
Der konstruktivistische Charakter von Epochen zeigt sich zuerst einmal schon daran, dass die heute gebräuchlichen Begriffe nicht von allem Anfang an oder gar erst im Nachhinein zur zusammenfassenden Bezeichnung einer spezifischen Gruppe von Texten benutzt worden sind. Auch dafür ist der Expressionis [ ... ]
'Expressionismus in poetologischen Debatten
Schon im Sommer 1911 überträgt der Schriftsteller Kurt Hiller (1885-1972) den Begriff aus der Bildenden Kunst auf die Literatur. Er bezeichnet damit zunächst einmal eine Gruppe junger Berliner Autoren, denen er selbst angehört (vgl. Anz 2002, 5). Sie haben sich 1909 in einem 'Neuen Club" organisiert [ ... ]
'Expressionismus als Selbstbezeich- nung der Epoche
Zu diesem Zeitpunkt freilich tritt der Expressionismus bereits in seine Spätphase ein (vgl. Fahnders 1998,135). Die Etablierung eines weithin akzeptierten Begriffs für die Bewegung kann demnach auch schon als Krisen- oder Niedergangssymptom gedeutet werden. Ãoberdies entziehen sich wichtige Vertrete [ ... ]
Expressionismus als literarische Bewegung
In manchen Epochenbegriffen der Literaturgeschichtsschreibung werden außerordentlich heterogene Autoren und Werke zusammengefasst. Solche Kategorien, zum Beispiel Literatur der Reformationszeit oder Exilliteratur, vereinigen teils sehr widersprüchliche ästhetische Formen und ideologische Tendenzen i [ ... ]
Epochenüber- lappungen um I9I0
Manche literarhistorische Epochen dominieren einen größeren Zeitraum der Geschichte der Poesie, zum Beispiel das Barock oder der Bürgerliche Realismus. Andere Epochen überschneiden sich oder laufen nebeneinander her. Das hängt entweder mit den extremen, jedenfalls im Moment nicht zu vereinbarenden G [ ... ]
Vorläufer der Expressionisten
Bei jeder literarhistorischen Rekonstruktion einer Epoche gesellen sich zu denjenigen Autoren, die derselben nur bedingt zuzurechnen sind, auch deren Vorläufer. Im Fall des Expressionismus ist zuallererst Frank (eig. Benjamin Franklin) Wedekind (1864-1918) zu nennen. Schon etliche Jahre vor dem erst [ ... ]
Epochenbegriffe 'Moderne und 'Avantgarde
Um eine solche Fülle der Tendenzen, Strömungen, Stilrichtungen, Autoren und Werke der Literatur um 1900 doch unter einer gemeinsamen Kategorie zusammenfassen zu können, sind von der Forschung immer wieder die Begriffe Moderne und Avantgarde als übergreifende Epochenbezeichnungen lanciert worden. All [ ... ]
Ã"sthetische/ literarische Moderne
Als Konsens innerhalb der intensiven und kontroversiellen Forschungsdiskussionen (vgl. Fricke/Müller/Weimar 1997/2003, 2, 620-624) kann gelten, dass der Beginn der (literarischen) Moderne mit den 1880er Jahren anzusetzen ist. (Das Konzept einer ästhetischen Moderne hingegen, die mit der Romantik anh [ ... ]
Moderne und Expressionismus
In der ostentativen Absetzung vom Fortschrittsdenken der Naturwissen- Schäften steht eine solche Position bereits dem Expressionismus nahe. Dieser setzt sich um 1910 vehement von allen bisherigen Strömungen und Ausprägungen der Moderne ästhetisch und ideologisch ab. Der Bruch der Bewegung mit der li [ ... ]
Bruch mit der Bürgerlichkeit
Der Bruch des Expressionismus mit der älteren Moderne ist des Weite- ren alsradikale Abkehr von einer bürgerlichen Kunst zu verstehen. Die in jenen Jahren etablierten Schriftsteller gehen zur Subsistenz ihres Lebensunterhaltes häufig einem gesellschaftlich hoch geachteten Brotberuf nach, etwa als A [ ... ]
Periodisierungdes Expressionismus
Obwohl sich bereits während der 1910er Jahre mit dem Dadaismus und dem Surrealismus avantgardistische Nachfolge-Bewegungen des Expressionismus formieren und sich mit der Neuen Sachlichkeit eine dezidierte Gegenströmung zu ihm ausbildet (vgl. Becker 2000, 1, 97-108), gelten im Allgemeinen die Jahre 1 [ ... ]
Obere Epochengrenze
Das Ende der Epoche wird in den Jahren 1920 bis 1925 von expressionistischen Autoren selbst wie auch von Kritikern, die der Bewegung nicht nahe stehen, intensiv diskutiert (vgl. z.B. Brinkmann 1980, 217-223). Eine Reihe von unterschiedlichen Gründen für das Ende dieser Periode der Literaturgeschicht [ ... ]
Binnengliederung der Epoche
Versuche einer Binnenstrukturierung des Expressionismus setzen übli- cherweise drei Phasen der Epoche an (vgl. z. B. Fahnders 1998, 135). Die ersten Jahre der Bewegung werden häufig als Frühexpressionismus bezeichnet. Der Terminus zielt auf die ideelle, soziale, organisatorische und publizistische K [ ... ]
Möglichkeiten der Epochendefinition
Beinahe unzählige Male ist in der Forschung bestritten worden, dass es überhaupt möglich sei, den Expressionismus angemessen und überzeu- gend zu definieren (vgl. Brinkmann 1980, 1). Hierfür werden etwa die Ã"ußerungen gewisser Autoren ins Treffen geführt, die sich zu irgendeinem Zeitpunkt dagegen v [ ... ]
Fiktionalisierungs- leistung
Zuerst einmal ist der Expressionismus durch eine spezifische Leistung hin- sichtlich der Fiktionalisierung von Wirklichkeit geprägt. Sein zentrales Thema ist die zeitgenössische Kultur. Er widmet sich Phänomenen der Gegenwart um 1910, und zwar fast durchgängig in negativer Weise, sei es durch Polemi [ ... ]
Typische Figuren
Die zentralen Themen der Epoche stehen in engem Wechselverhältnis mit dem typischen Personal der expressionistischen Dichtung (vgl. dazu IV. 2.). Hierzu gehört die Figur des wirtschaftlich erfolgreichen, oft gegenüber den Untergebenen ausbeuterischen und zugleich sich sittenstreng gerierenden Spieße [ ... ]
Kognitive Voraussetzungen
In der zeitgenössischen Entwicklung der Gesellschaft sehen viele Expressionisten jedoch nicht bloß eine massive äußere Bedrohung des Menschen. Das Individuum hat nicht allein mit der Angst vor Krankheit oder Versagen und einem daraus folgenden sozialen Abstieg zu kämpfen. Die industrielle Entwicklun [ ... ]
Typische Cestaltungsweisen
Für eine angemessene Literarisierung ihrer radikalen Gesellschaftskritik suchen die Autoren der Epoche nach spezifischen Gestaltungsweisen (vgl. IV.2.). Da die Expressionisten den Anspruch verfolgen, eine gänzlich neue Deutung der gegenwärtigen Welt zu leisten, greifen sie zu unterschiedlichen innov [ ... ]
Stilistik und Rhetorik
Im Dienste der effektvollen Vermittlung ihrer modernekritischen Vorstellungen entdecken die Expressionisten das Instrumentarium der Rhetorik wieder für die Poesie. Vor allem die Lehre von der Wirkfunktion des movere, des Bewegens des Publikums, der durch die Mittel der Redekunst gezielt gesteuerten [ ... ]
Erneuerungs- ideologie
Der rationalismusfeindliche und modernekritische Affekt, der in den Texten des Expressionismus literarisiert erscheint, ruht auf einem ideologischen Fundament, das die Autoren der Epoche mit Intellektuellen anderer Strömungen und Bewegungen der Zeit teilen. Die Grundlage dafür bildet der Vitalismus, [ ... ]

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