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Literarische Gebrauchsformen



Nicht nur die vielfältigen Gattungstransgressionen innerhalb der Erzähl- | iteratur des Expressionismus verweisen auf die Bedeutung der nicht-fiktionalen Prosa für die Epoche. Auch die zum Teil unüberschaubare und von Werkausgaben kaum einholbare essayistische und kritische Tätigkeit mancher Autoren der Bewegung für eine oder mehrere von deren Zeitschriften lässt erahnen, welchen enormen Stellenwert die literarischen Gebrauchsformen im Schaffen vieler Avantgardisten einnehmen. Die Forschung jedoch hat dies bislang zugunsten der im engeren Sinne poetischen Texte weitestgehend ignoriert. Die größte Aufmerksamkeit haben dabei noch die Programme und Manifeste als theoretische Grundlage der Bewegung auf sich ziehen können. Doch bereits um die Untersuchung der expressionistischen Essayistik ist es schlecht bestellt. Wenn sie denn einmal in den Blick kommt, finden allenfalls ihre Inhalte Interesse. So sind zum Beispiel die Themen der Essayistik von Robert Müller, unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Kino, der Großstadt, mit aktuellen ästhetischen Diskussionen und poetischen Neuerscheinungen, gut untersucht . Die spezifische literarische Form dieser Texte und ihr publizistik- und medienhistorischer Kontext aber bleiben bei solchen Arbeiten fast gänzlich ausgeblendet. Ähnliches gilt zum Beispiel für den Nachruf, der im Expressionismus wegen des frühen Todes vieler bedeutender Autoren eine eminent wichtige Stellung einnimmt. Es ist bekannt, dass auf die Meldung vom Ableben eines Georg Heym, eines Ernst Stadler oder eines Georg Trakl zahlreiche nekrologische Würdigungen - teils in feuille-tonistischer Prosa, teils in Versen - erscheinen. Aber das Dichtertotenlob der Epoche, seine spezifische poetische Form, die Topoi der expressionistischen Auseinandersetzung mit den eben Verblichenen in den jeweiligen mediengeschichtlichen Kontexten harren nach wie vor einer literarhistorischen Aufarbeitung. Andere Gebrauchsformen wie zum Beispiel das Tagebuch und der Brief der Epoche sind bereits des Öfteren in den Blick genommen worden, insbesondere im Falle hochkanonisierter Dichter wie Franz Kafka und Georg Heym. Freilich dienen diese Texte für gewöhnlich mehr als Fundgruben für Aufschlüsse über die Biographie und werden ebenfallskaum je komparativ mit den jeweiligen Gattungs- und Schreibtraditionen und deren sozialgeschichtlichen Funktionen in Verbindung gebracht .

     

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