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Kriegskritik und Pazifismus



Klabund kann auch insofern als paradigmatisches Beispiel für die Hai- tung vieler Expressionisten zum Ersten Weltkrieg gelten, als er im Jahr 1916 offenbar seine bisherige Euphorie für den aktuellen Waffengang als schwerwiegenden Irrtum erkennt. Er bekundet seinen Gesinnungswandel auch öffentlich, unter anderem durch einen Gedichtband mit dem Titel Irene , bekanntlich die altgriechische Vokabel für den Frieden. Der Schriftsteller gesellt sich damit zu jenen Autoren, die von Beginn des Ersten Weltkriegs an eine pazifistische Position vertreten und auch öffentlich artikuliert haben, zum Beispiel die Mitarbeiter des Sturm und der Weißen Blätter . Dabei gehen die Dichter, die sich kritisch zu der militärischen Auseinandersetzung äußern, poetisch und argumentativ das Thema durchaus sehr unterschiedlich an. Auch haben sie zum Teil außerordentlich stark divergierende Motive für ihre Haltung. Die einen entwickeln ihre Ablehnung aus ihren demokratischen Gesinnungen und der daraus folgenden Zurückweisung der militaristischen Wilhelminischen Monarchie, die sie auf keinen Fall durch eine Beteiligung an deren Aggressionspolitik unterstützen möchten. Andere stoßen sich an der fast durchgängigen, allzu unüberlegten Begeisterung der europäischen Intelligenz für den Waffengang. Andere wiederum argumentieren auf der Grundlage ihrer schockierenden Fronterlebnisse , insbesondere der erschütternden Erfahrung, dass die Soldaten in den Materialschlachten des Ersten Weltkriegs vor allem als ,Kanonenfutter' von den Mächtigen und Heeresleitern ,verheizt' werden . Spätestens ab 1916 gehören zahlreiche expressionistische Schriftsteller zu den maßgeblichen Wortführern des Pazifismus innerhalb der deutschsprachigen Publizistik , und viele von ihnen gehen während jener Jahre in die Emigration, um sich der Zensur im Deutschen Kaiserreich zu entziehen, unter ihnen Albert Ehrenstein, Leonhard Frank oder Yvan Goll . Im Pazifismus und in der Gegnerschaft zum Wilhelminischen Militarismus sind nicht zuletzt auch wichtige Wurzeln der späteren Beteiligung vieler Avantgardisten an der Revolution 1918/19 zu suchen.

     

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