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Krieg und Kriegseuphorie



Die allermeisten Expressionisten vermeiden vor dem Ersten Weltkrieg eine öffentliche Positionierung in strittigen politischen Fragen . So wenig wie ihre Literarisierungen von Außenseitern als konkrete Sozialkritik zu verstehen sind, so gering ist ihr Interesse an der poetischen Auseinandersetzung mit der Tagespolitik. Ihre Konzepte für die Veränderung der Welt und für die Entwicklung eines neuen Menschen sind dichterische Utopien, nicht Appelle an eine direkte, sofortige Umsetzung ihrer Ideen. Zu den seltenen Ausnahmen von dieser unter den Expressionisten sehr verbreiteten Haltung gehört Ludwig Rubiner, der 1912 in der Aktion den Sozialrevolutionären Aufruf Der Dichter greift in die Politik veröffentlicht . Der Erste Weltkrieg jedoch markiert im Hinblick auf das politische Engagement der Autoren eine signifikante Zäsur. Von zahlreichen Schriftstellern der Bewegung wird im Sommer 1914 der anstehende Waffengang stürmisch begrüßt, im Voraus ästhetisiert und zum außerordentlichen, den Alltag sprengenden, aus der geordneten bürgerlichen Welt hinausführenden Erlebnis stilisiert . Die Expressionisten haben somit maßgeblichen Anteil an der Entfaltung und Propagierung der so genannten ,Ideen von 1914' , auch wenn sie durch ihre Befürwortung der staatlichen Aggression gegen andere Länder eigentlich die rebellisch-oppositionelle Haltung und den antibürgerlichen Gestus aus der Vorkriegszeit zurücknehmen . Zu den Befürwortern des Kriegs, die sowohl die militärische Auseinandersetzung publizistisch unterstützen als auch selbst enthusiastisch an ihr teilnehmen möchten, gehören unter anderem Gottfried Benn, Ernst Blass, Alfred Döblin, Walter Hasenclever, Rudolf Leonhard, Fritz von Unruh und Paul Zech . Klabund zum Beispiel veröffentlicht schon wenige Monate nach Beginn des Ersten Weltkriegs ein Heft mit Soldatenliedern . Mit Begeisterung registriert er alsbald Pressemeldungen, wonach einige seiner Kriegsgedichte tatsächlich an der Front gesungen würden. Es folgen ein Kleines Bilderbuch vom Krieg , Das deutsche Soldatenlied wie es heute gesungen wird und Dragoner und Husaren . Die Verherrlichung der militärischen Auseinandersetzung als Ãoberwindung des öden Großstadtlebens und der dekadenten westlichen Zivilisation gehen hier einher mit kruden nationalistischen und chauvinistischen Tönen und regelrechten Hasstiraden gegen den Feind Frankreich .

     

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