Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Literatur des expressionismus
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Aspekte und Geschichte der Literatur



Ältere theoretische Grun
dlagen
Die wichtigsten theoretischen Grundlagen der Epoche werden nicht von Expressionisten selbst entwickelt. Zentrale Bausteine der philosophischen und ideologischen Basis der Bewegung übernehmen die Autoren aus den Schriften einiger einflussreicher Denker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (vgl. III. 3 [ ... ]
Worringer, Kandinsky, Marinetti
An erster Stelle ist hier der Kunsthistoriker Wilhelm Worringer (1881 -1965) zu nennen. Insbesondere seine Dissertation Abstraktion und Einfühlung (1908) erfährt eine breite Rezeption in der jungen Autorengeneration. Hier wird einer Ã"sthetik zu ihrem Recht verholfen, die sich von naturalistischen u [ ... ]
Theorie des Expressionismus
Der Expressionismus ist, wie bereits erwähnt (vgl. I. 1.), als eine literarische Bewegung zu begreifen, die - im Kontrast zu anderen Strömungen der Avantgarde - ihre Programme primär innerhalb der poetischen Praxis entwickelt und erst im Nachhinein ästhetisch reflektiert. Hinzu kommt, dass viele Aut [ ... ]
Edschmid
Kasimir Edschmids Aufsatz Expressionismus in der Dichtung, am 13. Dezember 1917 als Rede gehalten und im Jahr darauf erstmals veröffentlicht (vgl. Anz/Stark 1982, 42-55), kann möglicherweise als die wichtigste theoretische Auseinandersetzung mit der Literatur der Bewegung aus der Feder eines ihrer e [ ... ]
Themen als Epochen-merkmale
Es ist ein Spezifikum des Expressionismus, dass seine Autoren auf ein zwar weit gespanntes, aber grosso modo recht einheitliches Ensemble von The- men als stoffliche Grundlage für ihre Texte zurückgreifen. Maßgebliche Gründe dafür sind unter anderem die relativ große Homogenität der ästhetischen und [ ... ]
Außenseiter
Das besondere Interesse der expressionistischen Autoren gehört den Existenzen am Rande der Gesellschaft, den Ausgestoßenen, Ausgeschlossenen, Geächteten und von ihren Mitmenschen Verworfenen. Dazu zählen Kranke, Wahnsinnige, Behinderte, Bettler, Verbrecher oder Prostituierte. Viele Repräsentanten de [ ... ]
Krankheit
Die Kranken als weitere soziale Randgruppe verweisen auf eine allzu gerne verdrängte Grundbefindlichkeit des menschlichen Daseins. Der Leib ist hinfällig, schwach und letztendlich immer Tod und Verwesung preisgegeben. Viele Expressionisten versuchen ostentativ, diese einfache existentielle Wahrheit [ ... ]
Prostituierte
Eine der gesellschaftlich marginalisierten Gruppen, denen sich viele Ex- pressionisten in besonderer Weise zuwenden, sind die Prostituierten, so etwa Alfred Lichtenstein in seiner so genannten 'Dirnenlyrik" (Vollmer 1988, 64). Käufliche Frauen werden zum Gegenstand vielfältiger literarischer Projekt [ ... ]
Frauen
Die Darstellung der Prostituierten im Expressionismus legt zwingend auch die allgemeinere Frage nach der Literarisierung der Frau in der Epoche nahe. Die Programme und Manifeste geben dazu theoretisch nur wenig Auskunft. Die Vision von einem neuen Menschen wird in der Ãoberzahl der Fälle rein männli [ ... ]
Krieg und Kriegseuphorie
Die allermeisten Expressionisten vermeiden vor dem Ersten Weltkrieg eine öffentliche Positionierung in strittigen politischen Fragen (vgl. Garst- ka 2000, 140). So wenig wie ihre Literarisierungen von Außenseitern als konkrete Sozialkritik zu verstehen sind, so gering ist ihr Interesse an der poetis [ ... ]
Kriegskritik und Pazifismus
Klabund kann auch insofern als paradigmatisches Beispiel für die Hai- tung vieler Expressionisten zum Ersten Weltkrieg gelten, als er im Jahr 1916 offenbar seine bisherige Euphorie für den aktuellen Waffengang als schwerwiegenden Irrtum erkennt. Er bekundet seinen Gesinnungswandel auch öffentlich, u [ ... ]
Apokalypse
Ein weiteres zentrales Thema der expressionistischen Literatur, das sowohl mit der Bürgerkritik als auch mit dem aktiven politischen Engagement vieler Autoren in direktem Zusammenhang steht, ist die Apokalypse. Zahlreiche Autoren der Epoche greifen die bis auf die biblische Offenbarung des Johannes [ ... ]
Aktivismus und Revolution
Die Vorstellungen von einem tief greifenden historischen Umbruch, der das Antlitz Europas und seiner Einwohner radikal verändern soll, fußen bei den verschiedenen Autoren auf einem breit differenzierten Spektrum an ideologischen Fundamenten, die vom Kommunismus bis hin zu christlichen Heilslehren re [ ... ]
Rhetorik
Die wichtigsten Themen der Epoche einerseits und die für sie konstituti- ven poetischen Gestaltungsweisen andererseits stehen in einem unverbrüchlichen Wechselverhältnis zueinander. Das zeigt sich beispielsweise am Zusammenhang zwischen der besonderen Hinwendung zu Außensei- tern und der Ã"sthet [ ... ]
Lyrik
Die Lyrik nimmt unter den Gattungen der expressionistischen Dichtung in der Wirkungsgeschichte seit jeher eine herausragende Stellung ein. Dafür mögen vielfältige Gründe geltend zu machen sein. Die ersten in der literarischen Szene Aufsehen erregenden Publikationen der Expressionisten sind in der Me [ ... ]
Metrische Gestaltung
Die metrische Gestaltung der Lyrik des Expressionismus präsentiert sich in der denkbar größten Diversifikation. Ein Teil der Autoren schließt bruchlos an die Traditionen des 19. Jahrhunderts an und bedient sich zum Beispiel ausgiebig der Form des Sonetts. Allerdings werden gerade die Leseerwartungen [ ... ]
Thematischer Traditionsbruch
Große Bedeutung kommt in der expressionistischen Lyrik den Themen der Großstadt, der Konsequenzen der Modernisierung, der Ränder der Gesellschaft, der völligen Erneuerung des Menschen und der Suche nach religiöser Erfüllung zu. Freilich können mit dieser Aufzählung nur einige wenige Schwerpunkte ben [ ... ]
Reihentechnik, Simultaneität, Parataxe
Die Expressionisten entwickeln für ihre lyrische Literarisierung der Moderne, insbesondere der Großstadt, eine Reihe signifikanter poetischer Strategien. Zu ihnen zählt bevorzugt die Reihentechnik. Das Gedicht vermittelt dem Rezipienten nicht mehr einen stringent durchargumentierten Sinnzusammenhang [ ... ]
Messianische Lyrik
Neben der Verarbeitung der Moderne baut die expressionistische Lyrik gleichzeitig dichterisch-utopische Gegenentwürfe auf und verkündet in geradezu messianischer Manier einen neuen Menschen, der die zutiefst leidvoll erfahrene, gegenwärtige Wirklichkeit überwindet. Fluchtpunkte solcher Sehnsüchte si [ ... ]
Erzählprosa
Die erzählende Literatur der Bewegung (vgl. Dierick 1987; Fahnders 2001; Jens 1997; Krull 1984) hat in der Forschung über Jahrzehnte hinweg nur geringes Interesse gefunden. Als paradigmatisches Argument dafür gilt eine Formulierung aus der ersten literarhistorischen Ãoberblicksdarstellung zur Epoche [ ... ]
Sprengung tradierter Erzählmuster
Ã"hnlich wie bei der Lyrik kann als gemeinsames Merkmal der fiktiona-len prosa des Expressionismus die Verabschiedung tradierter Konventionen der Narration gelten. An erster Stelle rangiert hierbei der allwissende und sozusagen omnipotente auktoriale Erzähler. Die Avantgardisten geißeln ihn als Ausd [ ... ]
Erkenntnis- theoretische Reflexionsprosa
Ein bedeutender Teil der Erzählliteratur der Epoche wird von der Forschung mit dem Begriff der erkenntnistheoretischen Reflexionsprosa zu-sammengefasst, der zugleich eine der wichtigsten poetischen Innovationen der Bewegung markiert (vgl. Oehm 1993, 190-195). Dabei handelt es sich um Texte, in denen [ ... ]
Entgrenzung der Gattungen
Der Bruch mit den literarischen Traditionen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum wird auch an einem weiteren typischen Merkmal der expressionistischen Prosa deutlich. Viele Texte der Epoche sprengen demonstrativ die eingespielten Gattungsmuster und -grenzen. So ist häufig kaum zu entscheiden, ob [ ... ]
Literarische Gebrauchsformen
Nicht nur die vielfältigen Gattungstransgressionen innerhalb der Erzähl- | iteratur des Expressionismus verweisen auf die Bedeutung der nicht-fiktionalen Prosa für die Epoche. Auch die zum Teil unüberschaubare und von Werkausgaben kaum einholbare essayistische und kritische Tätigkeit mancher Autore [ ... ]
Literaturkritik
Viele Expressionisten legen zahlreiche literatur-, aber auch theater-, mu- sik- und filmkritische Arbeiten vor (vgl. Pfohlmann 2004,111-113). Auch diese werden jedoch von der Forschung vor allem inhaltlich ausgewertet, das heißt zum Beispiel mit Bezug auf die darin verarbeiteten ästhetischen Diskurs [ ... ]
Theatralische Realisierungen
Am Beginn der Theatergeschichte des Expressionismus steht eine Reihe von ästhetisch unerhörten Einaktern, die der traditionellen Dramaturgie entschlossen den Kampf ansagen. Hier ist die Bühne nicht mehr Spiegel der Welt, sondern ein Forum für die affektive Artikulation der leidenden Kreatur. Hier wi [ ... ]
Stationendrama
Unter die bedeutsamsten literarischen Innovationen der Epoche ist die Entwicklung des Stationendramas als eine gänzlich neuartige Form des Theaterstücks zu rechnen (vgl. Oehm 1993, 125-128 u.ö.). Vorbereitet durch einige Szenen August Strindbergs und bereits angelegt in der episodisch-fragmentarisch [ ... ]
Verkündigungs-, Wandlungs-und aktivistisches Drama
Zur Kategorisierung der expressionistischen Dramatik hält die For- schung noch eine Reihe weiterer Begriffe bereit, die jeweils auf wichtige inhaltliche Aspekte abheben (vgl. z.B. Denkler 1979). Viele Texte prägt ein starker appellativer Gestus. Unter Einsatz der verschiedensten bühnentechn [ ... ]
Heym
Innerhalb des engsten Kanons der ästhetisch wichtigsten und wirkungsreichsten Werke des Expressionismus gilt Georg Heyms Lyrikband Der ewige fag(1911; vgl. V. 2.) als die erste zentrale selbstständige Veröffentlichung. Die Gedichtsammlung bietet eine extrem pessimistische poetische Deutung der moder [ ... ]
Werfel
1911 erscheintauch Franz Werfeis erste Buchpublikation, der Gedicht- band Der Weltfreund, der seinen Autor rasch in avantgardistischen Kreisen bekannt macht. Die thematischen Schwerpunkte der Sammlung liegen einerseits bei der hymnischen Feier des Lebens, auf der anderen Seite beschwören die Texte [ ... ]
Benn
Im schneidendsten Gegensatz zu Werfeis Lyrik steht die erste, 1912 ver- öffentlichte Gedichtsammlung Gottfried Benns Morgue und andere Gedichte (vgl. V. 4.). Die makabere Themenwahl, der provozierend lakonische Ton, die Ignoranz gegenüber allen Formkonventionen der poetischen Tradition sind auch für [ ... ]
Ehrenstein
Bereits 1911 kommt eine der signifikantesten frühen prosaischen Leis- tungen der expressionistischen Dichtung auf den Markt, die Erzählung Tubutsch von Albert Ehrenstein (vgl. V. 3.). Dieser Text teilt mit den folgenden Veröffentlichungen des Autors, unter anderem dem Prosaband Der Selbstmord eines [ ... ]
Einstein
1912 erscheint erneut ein Maßstäbe setzender Prosatext, der nach dem Namen seines Protagonisten benannt, ästhetisch aber noch gewagter als Tubutsch ist, Carl Einsteins Bebuquin oder Die Dilettanten des Wunders. Die lose aneinander gereihten Szenen dieser Dichtung ergeben keinerlei konsistenten Handl [ ... ]
Trakl
1913 debütiert Georg Trakl mit einem schmalen Band von Gedichten. Die Texte, die zu den eigenwilligsten und bemerkenswertesten, sicherlich zu den exzentrischsten der Epoche zählen, sind fast ohne Ausnahmen von düsteren Themen wie Verfall, Verwesung, Tod und Wahnsinn geprägt und häufig in der Jahres [ ... ]
Stadler
Ernst Stadler, der als erst 23jähriger die noch dem Jugendstil zuzurechnende Lyriksammlung Präludium (1904) veröffentlicht hat, publiziert kurz vor seinem frühen Tod im Krieg einen Gedichtband mit dem programmatisch expressionistischen Titel Der Aufbruch (1914). Das Ich vieler dieser Texte bringt ei [ ... ]
Hasenclever
Das 1914 gedruckte und 1916 uraufgeführte, fünfaktige Drama Der Sohn von Walter Hasenclever kann als die bekannteste theatralische Gestaltung des expressionistischen Generationenkonflikts gelten. Den Mittelpunkt bildet die scharfe Auseinandersetzung zwischen dem Protagonisten und seinem Vater, der g [ ... ]
Goering
Einen der literarisch bemerkenswertesten und differenziertesten Beiträge zum pazifistischen Engagement des Expressionismus liefert Reinhard Goering mit dem 1917 gedruckten und im Jahr darauf uraufgeführ-ten Schauspiel Seeschlacht. Sieben Matrosen im Panzerturm eines deutschen Kriegsschiffes steuern [ ... ]
Lasker-Schüler
1917 erscheinen Die gesammelten Gedichte Else Lasker-Schülers, die 1920 noch durch einen zweiten Band mit dem Titel Die Kuppel ergänzt werden. In diesen Kompilationen vereinigt die Autorin zum größten Teil die Lyrik, die sie seit 1902 an unterschiedlichen Orten veröffentlicht hat. Ihr Werk ist von k [ ... ]
Kaiser
Georg Kaiser kann sich ab 1917 mit seinen Theaterstücken auf den Bühnen im deutschsprachigen Raum als der vielleicht wichtigste Dramatiker des Expressionismus etablieren, unter anderem mit Die Bürger von Calais (1914) und Von morgens bis mitternachts (1916; vgl. V. 5.). Zu den am meisten beachteten [ ... ]
Toller
Der meistrezipierte Dramatiker der Epoche neben Kaiser ist Ernst Toller. Wie in seinem Erstling mit dem bezeichnenden Titel Die Wandlung (1919) formuliert er auch in seinem berühmtesten Schauspiel Masse Mensch (Uraufführung 1920, Druck 1921) in stark appellativem Gestus die Forderung nach einer radi [ ... ]
Kafka
Geradezu eine literarische Sensation markieren gegen Ende der Epoche die Ausgaben der nachgelassenen Werke Franz Kafkas, die nach dessen Tod 1924 sukzessive von Max Brod ediert werden. Der Prager Schriftsteller publiziert bereits zu Lebzeiten eine Reihe von bemerkenswerten Erzählungen und Kurzprosab [ ... ]
Döblin
Alfred Döblin, der bereits 1913 mit Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen eine der ästhetisch innovativsten Prosaarbeiten der Epoche vorgelegt hat (vgl. V. 1.), veröffentlicht 1929 mit Berlin Alexanderplatz den vermutlich letzten und zugleich vielleicht poetologisch anspruchsvollste [ ... ]



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