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Literatur des expressionismus

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Frauen



Die Darstellung der Prostituierten im Expressionismus legt zwingend auch die allgemeinere Frage nach der Literarisierung der Frau in der Epoche nahe. Die Programme und Manifeste geben dazu theoretisch nur wenig Auskunft. Die Vision von einem neuen Menschen wird in der Ãoberzahl der Fälle rein männlich gedacht und beinhaltet nur sehr selten auch Vorstellungen von einer ,neuen Frau'. Die Rolle des weiblichen Geschlechts erweist sich vielmehr zumeist als ziemlich konservativ nach traditionellen symbolischen Kodierungen von Weiblichkeit definiert . Pate stehen dabei die üblichen und eingespielten, scheinbar objektiven, biologistischen Theorien, denen zufolge die Frau ihrer natürlichen Bestimmung als Begleiterin des Mannes und Mutter gerecht zu werden habe. Das Ich des ,anderen Geschlechts' wird demnach auch als nicht grundsätzlich dissoziiert gedacht, da es ja auf Grund seiner viel größeren Nähe zum kreatürlichen Ursprung des Menschen viel weniger anfällig für die negativen Konsequenzen der Modernisierung sein soll. Rigorose Fremdzuschreibungen an das feminine Subjekt stehen also häufig den kühnen Ich-Experimenten der männlichen Individuen gegenüber . Diese Geschlechterrollen gehen auch immer wieder in die literarischen Fiktionen der Expressionisten ein. In der Prosa Otto Flakes zum Beispiel wird der weiblichen Emanzipation eine klare Absage erteilt. Der Mann figuriert hier als der Denker, die Frau als das vor allem von Emotionen bewegte und auf maskulinen Schutz angewiesene Wesen . In den Romanen von Ernst Weiß erscheinen weibliche Figuren immer wieder primär auf ihre erotische Ausstrahlung und ihre sexuelle Attraktion reduziert. Den Männern sind sie allerdings auf Grund ihrer Fähigkeit, Kinder gebären zu können, körperlich überlegen, wodurch sie gleichzeitig noch eine viel größere Affinität zu ihren natürlichen Wurzeln und Kräften besitzen . Auch in den Werken Fritz von Unruhs treten zahlreiche Frauen auf, die vornehmlich durch ihren ungezügelten Geschlechtstrieb beherrscht werden . Diesen fiktionalen Weiblichkeitsbildern korrespondiert im Ãobrigen die geringe tatsächliche Präsenz von Autorinnen innerhalb der expressionistischen Bewegung . Einigermaßen bekanntgeworden sind allein Ciaire Goll , Emmy Hennings und Else Lasker-Schüler. Dabei mangelt es nicht an schreibenden Frauen innerhalb der avantgardistischen Kreise. Die meisten allerdings gelangennicht über die Veröffentlichung einiger Gedichte oder Prosatexte in den Zeitschriften der Bewegung hinaus. In den Kreisen und Medienverbünden des Expressionismus, die von ehrgeizigen, wortgewaltigen und selbstbe-wussten jungen Männern dominiert werden, welche noch dazu häufig keine besonders hohe Meinung vom Intellekt des ,anderen Geschlechts' hegen, werden Buchpublikationen von Dichterinnen nur in Ausnahmefällen protegiert .

     

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