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Edschmid



Kasimir Edschmids Aufsatz Expressionismus in der Dichtung, am 13. Dezember 1917 als Rede gehalten und im Jahr darauf erstmals veröffentlicht , kann möglicherweise als die wichtigste theoretische Auseinandersetzung mit der Literatur der Bewegung aus der Feder eines ihrer eigenen Repräsentanten gelten. Der Autor betont ausdrücklich, dass er seinen Beitrag nicht als Programm, sondern als Reflexion einer künstlerischen Praxis begreift. Eine Poesie, die auf vorab konstituierten Regeln basiert und diese umzusetzen versucht, wird vehement abgelehnt. 'Nur die Unproduktiven eilen mit Theorie der Sache voran." Mindestens ebenso brüsk wendet Edschmid sich gegen jede Form einer mimetischen Kunst. Die 'Künstler der neuen Bewegung", so drückt er es aus, 'photographieren nicht", sondern haben 'Gesichte", also ,,Vision[en]", sie geben 'nicht wieder", sondern 'gestalten". Anders gesagt: 'Die Realität muß von uns", also von den Avantgardisten, 'geschaffen werden". Näherhin gemeint ist damit eine künstlerische Verarbeitung von Wirklichkeit, die nicht vorrangig die diversen einzelnen Erscheinungen der Welt abbildet, sondern 'das tiefere Bild des Gegenstands" erfasst. 'Der Kranke", so Edschmid weiter, sei dann 'nicht nur der Krüppel, der leidet. Er wird die Krankheit selbst, das Leid der ganzen
Kreatur scheint aus seinem Leib" . Zum Zentrum der Dichtung avanciert somit der Mensch in seiner Kreatürlichkeit. Konsequenterweise werden mit einem solchen Konzept alle Formen und Gestaltungsweisen der bürgerlichen Poesie verabschiedet, seien es der Naturalismus oder der Impressionismus mit ihren wirklichkeitsnahen Darstellungsintentionen oder die mutmaßlich oberflächlichen Psychologisierungen im Roman des späten 19. Jahrhunderts . Die Konzentration auf 'das Eigentliche" hat zugleich eine radikale 'Verkürzung" zur Folge. Anders formuliert: 'Alles Nebensächliche fehlt." Dementsprechend beschreibt Edschmid die Dichtung des Expressionismus als eine Poesie, in der auf allen Zierat und jegliche 'Füllwörter" verzichtet wird. Im Gegenzug erhalten die bedeutungstragenden Wörter, insbesondere die Verben, eine herausragende Rolle . Der theoretische Text selbst gehorcht diesen programmatischen Anforderungen. Er präsentiert sich sprachlich außerordentlich verknappt. Sein letzter Teil ist einer Aufzählung der wichtigsten Repräsentanten der Bewegung gewidmet. Edschmid hebt dabei einerseits die jeweiligen individuellen Charakteristika im Werk der einzelnen Autoren hervor. Auf der anderen Seite freilich ist er deutlich bestrebt, seine im vorauf gehenden Text formulierten Thesen zum literarischen Expressionismus beispielhaft zu belegen. Der dichterische Parnass, den Edschmid zeichnet, deckt sich auffällig mit dem heute noch geläufigen Kanon zentraler Schriftsteller der Bewegung. Allenfalls Heinrich Mann oder Robert Walser gelten in der gegenwärtigen Literaturgeschichtsschreibung nicht mehr eindeutig als Expressionisten, und Paul Adler ist inzwischen weitgehend vergessen.
     

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