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Literatur des expressionismus

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Außenseiter



Das besondere Interesse der expressionistischen Autoren gehört den Existenzen am Rande der Gesellschaft, den Ausgestoßenen, Ausgeschlossenen, Geächteten und von ihren Mitmenschen Verworfenen. Dazu zählen Kranke, Wahnsinnige, Behinderte, Bettler, Verbrecher oder Prostituierte. Viele Repräsentanten der Bewegung, die aus der Perspektive ihrer Sozialisation und teilweise auch ihres beruflichen Status eigentlich der Mitte des prosperierenden Bürgertums angehören, stilisieren dabei den Künstler ebenfalls zum Außenseiter und lassen in ihren Texten dessen Rolle mit derjenigen anderer gesellschaftlicher Randgruppen verschmelzen. So ist beispielsweise die Hauptfigur von Rene Schickeies Roman Benkai, der Frauentröster ein alkoholkranker, politisch subversiver Bildhauer, der zuletzt in einer Nervenklinik endet . Entscheidend ist, dass die Fokussierung von Außenseitern im Expressionismus keineswegs auf die Erweckung von Mitleid mit einzelnen gesellschaftlichen Gruppen oder auf konkrete Sozialkritik zielt. Die Literarisierung von Gefängnisinsassen zum Beispiel ist nicht als poetischer Angriff gegen spezifische Missstände im Wilhelminischen Strafvollzug zu verstehen. Die poetische Kritik, welche die expressionistischen Texte formulieren, ist viel prinzipieller und fundamentaler . Die Fiktionali-sierung der Situation eines Strafgefangenen kann die Enge, Ã-de und Ausweglosigkeit der Existenz des Menschen in der Welt überhaupt illustrieren. Sie ist ein Bild für die 'gefesselte Vitalität" des Einzelnen 'in der bürgerlichen Gesellschaft" . Bezeichnenderweise nennt Oskar Maria Graf das autobiographische Bekenntnis über seine expressionistischen Jugendjahre Wir sind Gefangene . Mit anderen Randgruppen verhält es sich ähnlich. Die Geisteskranken erscheinen vielen Avantgardisten als die eigentlich psychisch Gesunden. Sie lassen sich von den gesellschaftlichen Zwängen nicht zu Maschinen und Automaten umfunktionieren, die sich in strengster Selbstdisziplin in all die bis ins Letzte geregelten Prozesse des modernen Daseins einfügen. Sie erhalten sich vielmehr ihre lebendige Kraft, ihre kreatürliche Vitalität, sie verleugnen nicht ihre Gefühle. Da sie sich nicht in die Regeln der Gesellschaft einfügen, werden sie freilich konsequenter Weise für wahnsinnig erklärt und weggesperrt.

     

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