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Fremdkulturelle literarische Hermeneutik



Zwei Dimensionen von kultureller Distanz sind zu unterscheiden: die zeitliche und die räumliche.' Im Versuch der Aneignung entfernter Kultur werden diese Distanzen überbrückt - oft auch kühn übersprungen oder einfach übersehen. Das Problem der Distanzüberwindung ist Gegenstand jeder modernen hermeneutischen Reflexion. Dabei ist das Bewußtsein der Funktion der zeitlichen Distanz früher entwickelt worden. Texthermeneutik von Chladenius über Hamann, Herder, Schelling, Schleiermacher, Dilthey bis Heidegger und Gadamer betont vor allem die Schwierigkeit, die Entfernung zwischen zwei Geschichtsorten, genauer: zwischen zwei Positionen historisch bedingter Subjektivität, zu überwinden, die gleichwohl innerhalb eines, wenn.auch noch so lockeren, kulturhistorischen Kontinuums liegen. Den Rahmen für diesen Zusammenhang bildete und bildet allemal Europa, d.h. hier: der Bereich der europäischabendländisch geprägten Kulturen. Daß diese stillschweigende Begrenzung oft gar nicht bemerkt wurde, hängt wohl damit zusammen, daß der Gedanke, auch an Fremdkulturen, also an nicht-europäischen Kulturen, lernen zu können, keine hinreichende Wahrscheinlichkeit hatte. Fremdkulturelle Hermeneutik ist daher eine junge Disziplin, die in der ersten Anerkennung außereuropäischer, zumal orientalicher Kulturen als ebenbürtig ihren Ursprung hat.
      Innerhalb der Texthermeneutik nimmt die literarische Hermeneutik seit dem 18. Jahrhundert schon eine Sonderstellung, ein, da die Vermittlung fiktionaler Gebilde die hermeneutische Reflexion in besonderem Maße herausfordert. Und - um den Bereich des hier Erörterten noch weiter einzuengen - seit dem 19. Jahrhundert der Begriff der Weltkultur im Gefolge des Begriffs der "Weltliteratur" denkbar wurde, seit Europa sich im 20. Jahrhundert der Bedingungen und Folgen des Europa-Zentrismus der eigenen Weltsicht bewußt zu werden beginnt, entwickelt sich in der fremdkulturellen literarischen Hermeneutik eine hermeneutische Spezialdiszi-plin.
      Bei der Entfaltung neuer Argumentationsbereiche spielt die Exemplum-wahl stets eine wichtige Rolle. Hier soll ein Beispiel aus der Kulturvermittlung zwischen Japan und Deutschland aufgegriffen werden. Drei Gründe dafür seien genannt: Japan ist eine der größten nichteuropäischen Kul-turen und die zivilisatorisch erfolgreichste; Japan hat sich in extremer Europaferne entwickelt; das Verhältnis zwischen Japan und dem Abendland hat in der Schnelligkeit und dem Ausmaß seiner Veränderungen bestürzende Spannungen und verblüffende Synthesen erzeugt.
     

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Fremdkulturelle  literarische  Hermeneutik    


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