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Literatur als vermittlung

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Schlußfolgerungen



Es ist nicht Sache der fiktionalen Literatur, schon gar nicht der Lyrik, ethnographischen oder geographisch-biologischen Interessen zu dienen. Keinem der hier besprochenen Texte gegenüber kommt der Verdacht auf-weder beim ersten unbefangenen, noch beim zweiten analytischen Lesen -,
Fremdes werde darin informativ oder diskursiv zum Kennenlernen angeboten. Fremde um ihrer selbst willen wird nicht vermittelt. Mit fortschreitender Konkretisierung des Textes als eines Ganzen tritt das Eigene als Thema und Problem in den Vordergrund.
      Um so auffallender ist es, wieviel an geographisch-biologischem oder ethnologischem Detail, an fremder Faktizität, in das Motiv der .Fremde' eingehen kann. Dieses dem Text einverleibte Detail kontingenter Faktizität behindert die Bildung und Zentrierung der Eigen-Thematik aber keineswegs. Ja, es sieht so aus, als läge es in der Eigenart von Texten, die eine Eigenheit besonders grundsätzlich thematisieren, die Anschaulichkeit der Fremde als Motiv besonders gut zu verankern. Offenbar muß das jeweilige Fremdheits-Motiv eben so weit entfaltet, erweitert und gefestigt sein, um in dem Sog der Suche nach dem Selbst, nach der Eigenidentität, den ein fiktionaler Text erzeugt, nicht fortgespült zu werden.

     
   Wofür aber steht die jeweilige Fremde nun? Eine formelhaft kurze Antwort kann lauten:
Für solche Elemente oder Aspekte des Eigenen, die dem Subjekt fremd zu werden beginnen oder noch fremd sind. Diese jeweilige Fremde nun aber als etwas, das zur Dynamik der Entwicklung des Eigenen dazugehört, als Erhofftes, Befürchtetes, Unvermeidliches, unterliegt der Tendenz, preisgegeben, verdrängt, negiert zu werden. Um als ,andere Möglichkeit', als erwünschte oder gefürchtete , unserer selbst erkannt zu werden, um als Unvermeidlichkeit realisiert zu werden, muß es offenbar so weit von uns weggeschoben werden, so weit ,verfremdet' werden durch biologisch-geographisch-ethnische Faktizität, um von uns als Bedrohung, Chance, Wirklichkeit anerkannt zu werden. Wie der Traum oder das freie Assoziieren leistet dies auch der fiktionale Text - mit äußerst unterschiedlichem Anteil an der Bewußtheit von der dialektischen Funktion des Motivs.
     

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