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Literatur als vermittlung

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Anknüpfung



Was wir als ,anders' erfühlen und erleben, als unbekannt, unerprobt, als neu oder auch nur unüblich, ungewohnt, das erleben wir zuallererst als fremd. Was wir zuletzt als ,fremd' bestimmen, hängt davon ab, was wir uns anzueignen bereit sind und was von uns fernzuhalten, wir uns genötigt sehen. Das Verhältnis von Identität und Alterität, die Spannung zwischen den Polen, in der Selbsterfahrung sich entfaltet, ist ein Thema, dessen sich in unserm Jahrhundert nicht nur Philosophie, Psychologie und Theologie, sondern auch Ethnologie, Soziologie, Sprach- und Literaturwissenschaft angenommen haben. ,Fremde' erscheint dabei unter ganz verschiedenen Aspekten: als Gegensubjektivität, als mitmenschlich zu gewinnendes Du, als Unbegreiflichkeit Gottes, als klimatisch-ethnisch bedingte Andersheit sozio-ökonomischer Organisation, als zeitliche Entfernung innerhalb eigener kulturhistorischer Tradition.
      In der Lyrik des 20. Jahrhunderts gewinnt ,Fremde' eine besonders weite Geltung. Dabei bekommt das jeweils aufgegriffene klimatische, biologische, ethnische Detail als ,Faktum der Fremde' ganz verschiedene Funktionen, der Grad seiner ,Authentizität' bzw. seiner ,Übertragenheit' ist jeweils ein anderer. Die Verfügbarkeit des , Fremden' in seinen verschiedenen Dimensionen scheint - mit dem Bewußtsein der Vertlochtenheit von ,Eigenem und Anderem' - rasch zuzunehmen: ,Fremde' scheint sich zu einer leicht und weit beweglichen Metapher auszuwachsen.
     

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