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Die Ãobersetzung des NO-Spiels von A. Waley



Die Ãobersetzung ins Englische ist so genau, wie es die Ãobersetzung eines so sensiblen Textes, wie es ein NÃ--Spiel ist, sein kann. Kritisch einzugehen ist nur auf eine Hinzufügung und eine Auslassung, die zu der Um-deutung des Stückes durch Brecht geführt haben dürften:
1. Die Worte Waleys bei der Beschreibung des Vollzugs von 'Tanikö"
Foot by foot

They stood together,
Heaving blindly,)

None guiltier than his neighbour ...
     
   haben im Text keine Entsprechung. Der Gedanke an Schuld liegt fern, da die Pilger ja nur den 'alten Brauch" vollziehen. Die Verneinung, also immerhin Erwähnung einer persönlichen Schuld für die Vollstrecker des 'Tanikö" mag Brecht den Gedanken nahegelegt haben, daß der Brauch eine persönliche Einwilligung des Jungen in die Vollstreckung voraussetzt. Das wiederum dürfte zu der Deutung geführt haben, daß hier eine bewußte Selbstopferung des Jungen vorliegt. Derlei 'persönliche" Kategorien haben im NÃ--Spiel keinen Platz ... Brecht aber übernimmt Waley wörtlich: 'Keiner schuldiger als sein Nachbar ..."
2. Der gesamte zweite Teil des NO-Spiels , der von dem Eingreifen göttlicher Mächte und der Wiedererweckung des Knaben berichtet, ist von Waley nicht übersetzt worden. Das Fehlen dieses Teiles, der den Höhepunkt des Spiels bildet, die Erfüllung des ersten Teils mit seiner grausamen Opferung des Knaben, läßt für den Leser die ganze Legende verzerrt erscheinen. Es läßt den Eindruck entstehen, als sei die Opferung des Knaben das eigentliche Zentrum des Mythos; dabei enthüllt sich - wie oft im NÃ--Spiel - erst im zweiten Teil die 'übermenschliche" Relevanz der Handlung. So ist auch auf der Bühne dieser Teil nach Ausstattung und Bedeutungsschwere des Vortrags der eindrucksvollere. Erst in der Erweckung des Knaben geschieht die Einordnung des 'alten Brauchs" in einen umfassenden übermenschlichen Zusammenhang, ohne sie bleibt der 'Brauch" unverständlich und sinnlos grausam. Wenigstens den Inhalt des Schlußteils hat Waley in einer Paraphrase wiedergegeben:
... When the pilgrims reach the summit, they pray to their founder En no Gyoja, and to the God Fudo that the boy may be restored to life. In answer to their prayers a Spirit appears carrying the boy in her arms. She lays him at the Priest's feet and vanishes again ...
     
  

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