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Der historische Hintergrund des Mythos von TANIKÃ-



Die Legende, die dem NÃ--Spiel Tanikö zugrundeliegt, gehört in den Legendenbereich um den Gründer einer besonderen Sekte des japanischen 'Bergbuddhismus" namens En no Gyöja, einer bedeutenden Gestalt in den Anfängen des Buddhismus in Japan. Soweit er sich historisch einordnen läßt, hat er um 700 n. Chr. gelebt, und es wird überliefert, daß er von dem Kaiser Taiho einmal in eine entfernte Provinz verbannt wurde; die Rückkehr wurde ihm allerdings bald darauf wieder gestattet. Das Heiligtum, das von den Anhängern seiner Lehre noch heute besucht wird, liegt auf dem 'Großen Gipfel" , welcher der Hauptgipfel des Yoshino-Gebirges ist und südöstlich von Nara liegt. In früherer Zeit aber muß ein Zentrum dieser Richtung des Bergbuddhismus auf dem ganz in der Nähe gelegenen Katsuragi-san in der Provinz Yamato gelegen haben." Ursprung vieler Kultformen des Shugendö sind sicher shintöistisch; En no Gyöja ist ein Mann, dessen Bedeutung in der buddhistischen Ãoberformung shintöistischer Traditionen gelegen hat. Wie vielen Sektengründern wurden ihm göttliche Kräfte zugeschrieben. In der Legende von Tanikö wird er mit dem Gott Fudö zusammengebracht, einer Erscheinungsform des japanisch-buddhistischen Sonnengottes , der gewöhnlich eine Richterfunktion ausübt und mit Schwert, Strick und Flamme abgebildet wird. Im Mittelpunkt nun des Tanikö-Mythos steht ein Menschenopfer, das anschließend dank göttlicher Gnade wieder rückgängig gemacht wird. Zweifellos gehört dieses Menschenopfer in eine altjapanische Religionstradition hinein, die hier sinnbildhaft durch buddhistisch-spirituelle Erlösungsmächte aufgehoben wird. Das vorliegende NO-Spiel Tanikö behandelt also in symbolischer Weise einen ganz bestimmten, wichtigen Ãobergang in der Entwicklung religiöser Vorstellungen und Kulthandlungen in Japan, hat insofern eine deutlich umrissene historische Relevanz; zugleich zeigt es -eine fortlebende Vorstellung im religiösen Denken Japans - die Doppeldeutigkeit der Welt: En no Gyöja, eben noch Mensch, enthüllt sich als Wesen mit göttlicher Macht.
     

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