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Literarische Ästhetik - aufläse
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Vom Marxismus zum Formalismus


Wie im vorigen Kapitel sollen auch hier heterogene Standpunkte zusammengeführt, dialogisch aufeinander bezogen werden. Denn ich meine, daß die ästhetischen Theorien Bachtins, Benjamins und Adornos, die in den folgenden Kapiteln besprochen werden, vor dem Hintergrund der formalistisch

-marxistischen Auseinandersetzungen noch am ehesten zu verstehen sind: Vor allem Adorno und Bachtin können als "junghegelianische" Kritiker der Hegeischen Heteronomie gelesen werden, die sie allerdings nicht - wie die russischen Formalisten -einseitig verwerfen, um jenseits von psychischen und sozialen Determinanten eine autonome Entfaltung der Kunst zu schildern. Beide versuchen, zwischen "autonomen" und "heteronomen" Positionen dialektisch zu vermitteln. Michail Bachtins, Pavel Medvedcvs und Valentin VoloSinovs Untersuchungen, die z.T. aus den 20er Jahren stammen, lassen vermuten, daß es vielleicht schon in der frühen Sowjetunion, in der sehr lebhafte Diskussionen zwischen Marxisten und Formalisten stattfanden, sowohl im formalistischen als auch im marxistischen Lager zu bedeutenden Vermittlungsversuchen und Synthesen gekommen wäre, wenn der nach Lenins Tod (1924) erstarkende Stalinismus die theoretische Diskussion nicht aus politischen Gründen abgewürgt hätte. Die politischen Eingriffe in die formalistisch-marxistische Debatte sollten jedoch nicht als Übergriffe einer totalitär werdenden Staatsmacht schlicht zur Kenntnis genommen oder bedauert werden. Denn sie zeigen, daß Theorie ebensowenig über den gesellschaftlichen Konflikten schwebt wie die Kunst und daß "Autonomie" und "Heteronomie", "Kantianismus" und "Hegelianismus", "Ausdrucksebene" und "Inhaltsebene" politische Komponenten aufweisen, über die sich der Literaturwissenschaftler nicht hinwegsetzen sollte.


Der Literatur- und Kunstbegriff bei Marx und Engels
Die These, Karl Marx (1818-1883) sei in allen Phasen seiner Entwicklung als materialistischer Hegelianer oder zumindest als ein kritischer Schüler Hegels zu verstehen, ist umstritten: Während Marxisten wie Henri Lefebvre, Lucien Goldmann und Georg Lukäcs von der Annahme ausgehen, daß Marxens materia [ ... ]
Georg Lukacs' Theorie der Widerspiegelung
Von Georg Lukdcs (1885-1971) kann behauptet werden, er habe Hegels Ã"sthetik nicht nur "nicht abgeführt", sondern mit materialistischen Mitteln sowohl im terminologischen als auch im methodologischen Bereich weiterentwickelt. Henri Arvon mag zwar recht haben, wenn er diese Ã"sthetik als eine "Propäd [ ... ]
Exkurs zum sozialistischen Realismus
Einerseits konnte sich Georg Lukäcs nie mit der literarischen Praxis des sozialistischen Realismus versöhnen, weil diese unmittelbar Thesen oder Maximen verkündet und den Protagonisten in ein Sprachrohr der Ideologie verwandelt.55 Andererseits haben ostdeutsche Vertreter des sozialistischen Realismu [ ... ]
Lucien Goldmanns genetischer Strukturalismus
In zwei wesentlichen Punkten bricht Lucien Goldmanns (1913-1970) Theorie, die ich schon vor Jahren als "hegelianische Ã"sthetik" kritisiert habe7', mit Hegel und Lukäcs: Sie lehnt es einerseits ab, klassizistische Kriterien (Harmonie, abgerundete Komposition) zur Grundlage ihrer Kritik zu machen, un [ ... ]
Formalismus, Futurismus und Ausdrucksebene
Jeder Versuch, die Position der russischen Formalisten aus Kants Kritik der Urteilskraft abzuleiten, so wie ich einige zentrale Theoreme Marxens, Lukäcs' und Goldmanns aus Hegels Ã"sthetik abgeleitet habe, ist vorab zum Scheitern verurteilt, weil die formalistischen Theorien eng mit der Praxis der f [ ... ]

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