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Ästhetik und Dialektik: Zwischen Kant und Hegel


Ein wesentlicher Aspekt der Hegeischen Ästhetik ist ihre Heteronomie, die in Hegels Versuch zum Ausdruck kommt, die Kunst als sekundäre Erscheinung aus dem begrifflichen Denken der Philosophie abzuleiten. Dieser Versuch wurde später

von europäischen und sowjetischen Marxisten wiederholt, jedoch stets von neuem von russischen Formalisten, Prager Strukturalisten, Vertretern des anglo-amerikanischen New Criticism und sogar von den Begründern der Kritischen Theorie, die in mancher Hinsicht Hegelianer geblieben waren, in Frage gestellt. Die Polemiken der Formalisten gegen den ästhetischen Hegelianismus wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von Anhängern der französischen Semiotik, der Konstanzer Rezeptionsästhetik und der Dekonstruktion vor dem Hintergrund eines wachsenden Agnostizismus fortgesetzt und führten dazu, daß die Frage nach der Bedeutung eines literarischen Textes oder eines Kunstwerkes mit ratlosem Schulterzucken oder gar mit Irritation beantwortet wurde. Viele haben sich an den Gedanken gewöhnt, daß Kunstwerke vieldeutige Gebilde sind und daß ihre Bedeutungen bestenfalls im Verlauf der Rezeption - als nur mögliche Interpretationen oder "Konkretisationen" - dingfest gemacht werden können. In einer Zeit, in der sich vielerorts die Dekonstruktion (nach Soziologie und Semiotik) als kommerzialisierte Mode auf institutioneller Ebene durchgesetzt hat, wird die Frage nach der Bedeutung oder der Weltanschauung eines Kunstwerks häufig als Ausdruck von Naivität gewertet. Das Wissen um Vieldeutigkeit, Bedeutungswandel und Funktionswandel der Kunstwerke wird zu einem der Gemeinplätze der Literaturwissenschaft, von denen eine beruhigende Wirkung ausgeht.


Von Baumgarten zu Kant: Begriff und Begriffslosigkeit der Kunst
Als Schüler Wolffs und Philosoph der Aufklärung entwickelte Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762) eine ästhetische Theorie, die in ihrem Frühstadium auf der Prämisse gründet, daß die Ästhetik eine "niedere Logik" ist: eine Logik der sinnlichen Wahrnehmung, die der Philosoph der Aufklärung der be [ ... ]
Dialektik und Ã"sthetik bei Hegel: Die Herrschaft des Begriffs
Zusammen mit dem "Ding an sich" wird bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) der Kantische Hiatus zwischen Subjekt und Objekt historisch-dialektisch aufgehoben.16 Die dialektische, die begriffliche Logik wird von ihm in die Wirklichkeit selbst, d.h. ins Objekt hinein-projiziert. Der dialektisc [ ... ]
Der Zerfall der Hegeischen Ã"sthetik bei den Junghegelianern
Die Erklärung der Pendelschwingung kann sich - soweit sie überhaupt möglich ist - nicht auf den ästhetischen Bereich beschränken. Sie kann nur in einem sozio-historischen und erkenntnistheoretischen Zusammenhang anvisiert werden, in dem die politischen Faktoren zutage treten, die nicht nur den Zerfa [ ... ]
Nietzsche: Ambivalenz und Ausdrucksebene
Sicherlich kann Friedrich Nietzsche (1844-1900) nicht als Junghegelianer gedeutet werden: nicht nur weil dies seinem Selbstverständnis widerspricht, sondern auch deshalb, weil er als Hegel-Schüler oder Hegel-Epigone nicht zu verstehen ist. Dennoch hat Wolfgang Eßbach recht, wenn er - nach Volhard un [ ... ]
Epilog: Von Croce zum New Criticism
Eine ausführliche Darstellung der Ã"sthetik Bcnedetto Croces (1866-1952) würde sicherlich den Rahmen dieses Kapitels, dessen Hauptproblem die hegelianische Heteronomie ist, sprengen. Noch vermessener wäre an dieser Stelle der Versuch, die Beziehung zwischen Logik, Geschichtsphilosophie und Ã"sthetik [ ... ]

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