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Michail Bachtins "junghegelianische" Ästhetik


Der Name Michail Michailovic" Bachtins (1895-1975) wird immer wieder und manchmal nicht zu Unrecht mit Namen wie Freud, Brecht oder Joyce verknüpft.' Mein Hinweis auf die Junghegelianer könnte deshalb den Verdacht aufkommen lassen, daß hier eine weitere Wahlverwandtschaft postuliert werden soll, die der wachsenden Kette von Analogien ein neues Glied hinzufügt. Es geht hier jedoch um wesentlich mehr als um eine Analogie oder um den Nachweis von Einflüssen. Die Gcsamtproblematik, von der Bachtin ausgeht und in der er schreibt, kann als zugleich nachhcgelianisch und junghegelianisch bezeichnet werden: erstens, weil die Auseinandersetzungen zwischen Formalisten und Marxisten, die Bachtin, Medvedev und Volosäinov, die drei bekanntesten Mitglieder des Bachtin-Kreiscs, gut kannten, den Hegelianismus der marxistischen Ästhetik in Frage stellten; zweitens, weil die in den 20er und vor allem 30er Jahren herrschende marxistische Ästhetik (wie sich im vorigen Kapitel gezeigt hat) ein verflachter Hegelianismus war, gegen dessen monologischen Herrschaftsanspruch Bachtin und seine Freunde aufbegehrten; drittens, weil Bachtin nicht nur mit der Philosophie Hegels, sondern auch mit der der Nachhegelianer Vischer, Feuerbach und Rosenkranz vertraut war, und schließlich deshalb, weil Dostoevskij, dessen Romane er zur Grundlage seiner polyphonen Ästhetik machte, von den Junghegelianern (etwa von Max Stirner) beeinflußt worden war.


Bachtins Kritik am Formalismus in Linguistik und Literaturwissenschaft
Diese kritischen Bemerkungen führen mitten in die Problematik von Bachtins Kritik an der synchronen Linguistik Saussures und der formalen Methode in der Literaturwissenschaft. Sie ist nur dann konkret zu verstehen, wenn man von dem Gedanken ausgeht, daß Bachtin - ähnlich wie Pavel N. Medvedev (1891- [ ... ]
Bachtins Kritik des Hegelianismus
Sooft man die deutsche, italienische, französische oder englische Sekundärliteratur zu Bachtin zur Hand nimmt, wird matjmit den bekannten Schlüsselbegriffen "Karneval", "Dialog", "Monolog" und "Chrono-topos" konfrontiert. Nur selten wird nach dem Stellenwert dieser Begriffe in der modernen Ästhetik [ ... ]
Bachtins junghegelianische Ästhetik
Die Erfahrungen der Vergleichenden Literaturwissenschaft zeigen, daß Arbeiten, die schlicht Kontakte nachweisen, oftmals nur triviale Erkenntnisse zeitigen, weil die Tatsache, daß X Y kannte, noch nichts über die Bedeutung von Y für X aussagt. Bekanntschaften oder Einflüsse werden erst dann bedeutsa [ ... ]
Ausdrucksebene und Inhaltsebene
Bachtins Kritik der "formalen Methode" hat bereits gezeigt, daß seine Ästhetik nicht einseitig die Inhaltsebene gegen die Ausdrucksebene ausspielt oder umgekehrt. Sie erkennt die Autonomie beider Ebenen an und kann als ein Versuch aufgefaßt werden, Ausdruck und Inhalt dialektisch aufeinander zu bez [ ... ]

 

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