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Literarische Ästhetik - aufläse
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Die Rezeptionsästhetik zwischen Hermeneutik und Phänomenologie


Die zeitgenössische Rezeptionsästhetik, die vor allem an der Universität Konstanz von Hans Robert Jauß (*1921) und Wolfgang Iser (*1926) entwickelt wurde, kann einerseits als eine kritsch

e Fortsetzung bestimmter Tendenzen innerhalb des Prager Strukturalismus aufgefaßt werden, andererseits als eine Replik auf die Poetik der werkimmanenten Interpretation Wolfgang Kaysers und die "Produktionsästhetiken" des Marxismus und der Kritischen Theorie. Die Konstanzer Theoretiker entdecken nicht nur den Leser als reelle (empirische) oder als ideelle (konstruierte) Instanz, sondern auch die Nachteile einer werkimmanenten oder marxistischen Ästhetik, die dazu neigt, den vieldeutigen literarischen Text mit einer seiner Bedeutungen oder Interpretationen zu identifizieren und mit seinen ästhetischen Objekten (Mukafovsky) zu verwechseln. Die Ablehnung dieser zugleich ästhetischen und semantischen Reduktion erklärt Jauß' und Isers Kritik an W. Kaysers Frage nach der richtigen Interpretation sowie ihre Polemik gegen den Hegelianismus der Marxisten, die der Frage nach der eigentlichen, der wahren Bedeutung des Textes eine dialektische und materialistische Wende geben. Diesem materialistischen Hegelianismus, der - wie sich im 2. Kap. gezeigt hat - nach den gesellschaftlichen Produktionsbedingungen und der historischen Bedeutung (dem "Warum" und "Was") der Kunstwerke fragt, begegnen Jauß und Iser mit der Frage nach dem Wirkungspotential vieldeutiger Werke, das sich im Verlauf der historischen Rezeption entfaltet. Dabei beruft sich Jauß in einem Interview ausdrücklich auf Kants Ästhetik, die nicht den Standpunkt des Produzenten, sondern den des Natur- und Kunstbetrachters einnimmt: "Die letzte große Wirkungsästhetik war Kants Kritik des ästhetischen Urteils."'


Von Gadamer zu Jauß: Hermeneutik und Ästhetik
Auf den ersten Blick mag es merkwürdig erscheinen, daß ein Autor wie Gadamer, der am philosophischen Wahrheitsbegriff festhält und den Gedanken an einen Wahrheitsgehalt des Kunstwerks nicht preisgeben möchte, zum Bürgen einer Rezeptionstheorie wird, die sich gegen die Reduktion literarischer Texte a [ ... ]
Jauß' Rezeptionsästhetik als literarische Hermeneutik
Hans Robert Jauß' Betrachtungsweise unterscheidet sich von der Gada-mers nicht nur durch die spezifische Ausrichtung der Theorie auf den literarischen Text, sondern auch - und vielleicht vor allem - durch eine größere Skepsis der Tradition gegenüber. Bekanntlich steht Gadamer auf dem Standpunkt, daß [ ... ]
Von Husserl zu Ingarden: Phänomenologie und Wirkungsästhetik
Im Gegensatz zu Jauß, der das Zusammenwirken von Vieldeutigkeit und Begrifflichkeit im literarischen Text nicht in den Griff bekommt, weil er einerseits von der Interpretierbarkcit der Werke ausgeht, sie andererseits aber mit bestimmten Erwartungshorizonten und sozialen "Inhalten" (Normen) identifiz [ ... ]
Wolfgang Isers Wirkungsästhetik
Deutlicher als Ingarden, dessen Terminologie er teilweise übernimmt, distanziert sich Iser von den hegelianischen Ã"sthetiken des 19. Jahrhunderts. Gegen sie führt er zwei wesentliche Argumente ins Feld, von denen das erste die begriffliche Vereinnahmung literarischer Texte, das zweite das klassizis [ ... ]
Zur Auseinandersetzung zwischen Konstanzer Rezeptionsästhetik und marxistisch-leninistischer Rezeptionstheorie
In der Vergangenheit habe ich mich wiederholt mit dem polemisch geführten Dialog zwischen diesen beiden Iitcraturwisscnschaftlichen Positionen ausführlich befaßt. (Siehe Anm. 4.) Hier geht es mir deshalb nicht mehr um eine Aufarbeitung dieser Diskussion, sondern darum, im Anschluß an dieses und das [ ... ]

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