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Die literarische Ästhetik des Prager Strukturalismus


Ähnlich wie der russische Formalismus, dessen Bemühungen um eine wissenschaftlich fundierte Literatur- und Kunstthcoric er fortsetzt, ist der Präger Strukturalismus nicht unabhängig von der Entwicklung der tschechisc

hen und slowakischen Avantgarde der Zwischenkriegszeit zu verstehen. Wie der Litcraturbcgrilf der Formalisten, der von den Sprachexpcrimcnten der Futuristen nicht zu trennen ist, ist die Litera-luraulfassung der Strukturalislen aus dem Umgang mit Poetismus (Ka-rel Teige) und Surrealismus (Andre Breton, Vilezslav Nezval) hervorgegangen. Davon zeugen u.a. Jan Mukarovskys Aufsätze über Nezval. "Über die zeitgenössische Poetik" (1929) sowie "Dialektische Widersprüche in der modernen Kunst" (1935), in denen der begrifflich-kommunikative Charakter literarischer Werke in Frage gestellt wird, ebenso wie die klassizistische Auffassung des Kunstwerks als harmonischer Totalität. Die Nähe des Strukturalismus zur Praxis der Avantgarde erklärt seine Ferne von den Positionen der Hegeischen Inhaltsästhclik sowie seine Verwandtschaft mit den Ästhetiken Adornos und Benjamins, aul die ich bereits in der Kritik der Literatursoziologie (1978) hingewiesen habe. Wie diesen beiden Autoren ging es Jan Mukafovsky (1891-1975) und Felix Vodicka (1909-1974), bis zu einem gewissen Grad auch Roman Jakobson (1896-1982), darum, eine Literatur- und Kunstthcoric zu entwickeln, die die Eigengcselzlichkeit und Autonomie der Werke berücksichtigt, ohne deren gesellschaftliche Genese und Wirkung zu vernachlässigen. Wie Adorno, obwohl in einem anderen theoretischen Kontext, war es den Präger Wissenschaftlern um eine Auffassung der Werke als autonomer Erscheinungen und als "faits sociaux" ("falls hisloriques") zu tun.


Der Prager Strukturalismus zwischen Formalismus, Philosophie und Linguistik
Da längst nicht alle Arbeiten Mukarovskys, Vodiökas und der anderen Mitglieder des Prager Kreises ins Deutsche übertragen wurden, konnten in der Vergangenheit zahlreiche vereinfachende Darstellungen entstehen, denen neben zeitgenössischen Vertretern des tschechoslowakischen Strukturalismus (Chvatfk, [ ... ]
Autonomieästhetik: Jakobson, Mukarovsky und die Thesen von I929
Die Thesen des Prager Linguistenkreises, die im Jahre 1929 dem internationalen Slawistcnkongrcß in französischer Sprache vorgelegt wurden, haben nicht nur eine große historische Bedeutung für die Entwicklung des Strukturalismus und der Linguistik, sondern können zugleich als Ausgangspunkt einer Ã"st [ ... ]
Jan Mukafovskys avantgardistische Ã"sthetik
Avantgardismus und Kantianismus verbünden sich zeitweilig in Jan Mukafovskys Argumentation, wenn es darum geht, den hegelianischen Logozentrismus in die Schranken zu weisen. Daß die tschechische Ã"sthetik lange vor Mukafovsky antihegelianischc Züge aufwies, fällt auch Olcg Sus auf, der im Zusammenha [ ... ]
Evolution und Rezeption: Von Mukarovsky zu Vodiöka
Als Schüler Mukafovskys und spätes Mitglied des Prager linguistischen Zirkels richtet Felix Vodicka sein Augenmerk vor allem auf die literarische Evolution (literärni vyvoj) und versucht, Produktion und Rezeption literarischer Werke im Rahmen eines historisch-evolutionären Entwurfs zu erklären. Den [ ... ]
Neuere Entwicklungen: Chvatfk und Cervenka
Eine Gesamtdarstellung der neueren Entwicklungen im tschechoslowakischen Strukturalismus ist am Ende eines Buchkapitels natürlich nicht zu verwirklichen; sie könnte bestenfalls der Autor einer umfangreichen Studie ins Auge fassen. Deshalb beschränke ich mich hier auf zwei Theoretiker, deren Ansätze [ ... ]

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