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Zwei grundlegende Bedürfnisse - im Schreiben vereint



Ist nicht in uns allen ein tiefes Bedürfnis nach mehr Freiheit - und zugleich die scheinbar so gegenteilige Sehnsucht nach Aufgehobensein und Geborgenheit?

Wer Glück hatte, konnte beides als Kind erfahren, damals, als man sich vom Boden langsam erhob und das Laufen lernte, als man das Krabbeln aufgab und - buchstäblich - selbständig wurde, als »Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein ...«
Damals waren Geborgensein in der Familie und Selbständig-werden noch eine Einheit . Dann ging es den meisten Menschen vermutlich verloren, dieses doppelte Glück wurde aufgespalten in ein Entweder-oder:
- Entweder wurde das eine Bedürfnis nach Freiheit erfüllt, zum Beispiel in einem interessanten Beruf;
- oder man konzentrierte sich auf das ganz andere Bedürfnis nach Geborgenheit in der Symbiose einer Familie.
      Erstaunlicherweise kann das Schreiben in der Gruppe in einem gewissen Sinn auch und gerade dem Erwachsenen diese beiden vielleicht größten Sehnsüchte zugleich befriedigen, obgleich diese sich doch auszuschließen scheinen: Ein kaum vorstellbares, oft unter-schätztes Maß an seelischer und geistiger Freiheit wird möglich, wenn wir uns des schriftlichen Ausdrucks bedienen. Und die ganz andere Sehnsucht nach Geborgenheit wird gesättigt, wenn wir nicht einsam und allein am Schreibtisch hocken, sondern uns in der vertrauensvollen Atmosphäre einer Gruppe dem Strom der Einfälle überlassen.
      Wenn »es von selber schreibt«, wenn uns der richtige Ausdruck, das passende Bild wie von selber einfallen, dann stimmt alles zusammen. Dann gelingt das Schreiben. Zu schön, um wahr zu sein? Nun, man muss es lernen. Man muss es üben, so zu schreiben, zusammen mit anderen. Aber es gelingt, mit ein wenig Geduld.
      Zwei altbekannte Symbole verkörpern für mich auf ideale Weise diese Sehnsüchte; deshalb habe ich sie für dieses Buch als Leitbilder gewählt. Das geflügelte Pferd Pegasus steht für den Drang nach Freiheit, nach geistiger und seelischer Weite ohne Grenzen. Aber solche Grenzenlosigkeit ist auch gefährlich, macht Angst, ruft nach dem Gegengewicht der Beschränkung, besser noch: der Selbstbeschränkung. Diese finde ich, wieder auf ideale Weise, dargestellt im Motiv des kretischen Labyrinths. Gerade ohne in die Irre zu gehen, kann man sich im Schutz der Mauern des Labyrinths geborgen fühlen, kann man darüber hinaus in seinen übersichtlich konstruierten geschwungenen Gängen zum Innersten des eigenen Wesens vorstoßen.
      Pegasus vor dem Eingang des Labyrinths: So stelle ich mir auchmeine eigene Situation jetzt im Augenblick vor dem Einstieg in dieses Buch vor - eine Vorstellung, die Ihnen als Leser, als Leserin auch ein wenig helfen mag, den Zugang in das Thema »Schreiben« zu finden.
      Für mich ist das Schreiben in vielen Jahren zu einer Art Wünschelrute geworden für die unterirdischen Wasseradern meines Unbewussten. Es bringt mich meinen Quellen näher und hilft mir, mein eigenes schöpferisches Potenzial und meine Selbstheilungskräfte besser zu nützen - und lässt mich dadurch auch anderen Menschen näher kommen, wenn ich dies möchte.
      In diesem Buch spreche ich ein breites Spektrum von Möglichkeiten des Schreibens an. Dieses Spektrum reicht vom mythischen Ursprung der Schrift bis zum »Schreiben in der Gruppe«. Sie werden auch eine Fülle ganz praktischer Tipps und Tricks kennen lernen, dazu neue Methoden, Ãobungen und Themen, die sich direkt anwenden lassen.
      Merkwürdigerweise wird das Schreiben trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten immer noch gewaltig unterschätzt. Woher könnte das kommen?

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Zwei  grundlegende  Bedürfnisse  -  Schreiben  vereint    





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