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Wissen - Erfahren - Gestalten



Ich glaube, dass die Ursache dafür seine Selbstverständlichkeit ist. Schreiben lernen wir in einem Alter, gleich zu Beginn unserer Schulzeit, in dem wir noch sehr unbewusst leben, noch ganz befangen in der Kindheit. Das Setzen der Buchstaben wird geübt und automatisiert und irgendwann beherrscht; nahezu reflexhaft setzen wir von da an die Buchstaben und Zahlen aufs Papier, überhaupt nicht mehr mit dem Vorgang des Schreibens selber und seinen Begleitumständen beschäftigt, sondern mit den Inhalten, die wir formulieren.

      Nur wenn wir uns mal ver-schreiben, spüren wir etwas ganz anderes. Das heißt, wir könnten es spüren; stattdessen haben wir leider gelernt, Ver-schreiber nur als »Fehler« abzuwerten und rasch auszubessern .
      Kaum jemand denkt darüber nach, kaum jemand hinterfragt einmal diese geistige Kraft, die da Gestalt annimmt beim Schreiben. Eigentlich ist das doch ein unglaublicher Vorgang: Ein Gedanke, ein vorher nur in meinem Kopf, also in meinem Bewusstsein existierendes Erinnerungsbild, fließt durch meinen Arm, meine Hand, meine Finger, meinen Stift auf das Papier - und Geist wird zu Materie!
In diesem Buch steht, von einigen Zitaten abgesehen, fast nichts, was ich nicht selbst ausprobiert oder selbst entwickelt habe. Es speist sich aus zwei Quellen:
- zum einen aus der äußeren Erfahrung, vor allem in vielen Schreib-Seminaren;

- zum anderen aus der inneren, aus der Selbst-Erfahrung.
      Ich werde, vor diesem Hintergrund, so manche verzerrte oder falsche, aber lieb gewonnene Vorstellung vom Schreiben und von den Schreibenden infrage stellen. Ich denke, dies ist dringend notwendig. Ich verstehe Schreiben als einen vielseitigen Weg, der in drei Richtungen führt, die zugleich auch die drei Hauptteile des Buches darstellen:

- das Wissen von der verborgenen Macht des Schreibens,
- die Erfahrung des Schreibvorgangs selber und

- die Gestaltung von Erfahrungen.
      Schreiben als WEG der Selbsterfahrung, zu mehr Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein sowie als Instrument der Bewusstseins-erweiterung. Schreiben auch als Form der Meditation, in der Erinnern und Veröffentlichen in sinnvoller Ergänzung einander ablösen, etwa im Wechsel von Niederschreiben und Vorlesen. Schreiben auch als enorm leistungsfähige Form der Psychotherapie. Schreiben als nicht zu verachtendes Kommunikationsmittel . Und Schreiben nicht zuletzt als Denkhilfe und ideales Denk-Werkzeug. All dies zusammen ist für mich das »Kreative Schreiben«.

     
Ich muss nicht eigens betonen, dass Schreiben sich vom Erzählen ableitet, vom gemütlichen Palaver am Lagerfeuer, abends nach des Tages Mühsal. Das gemeinsame Schreiben in der Gruppe ist eine großartige Entdeckung, weil es der - buchstäblich - heilsame Rück-Schritt zur Urform der Verständigung unter Menschen ist.
      Aufgebaut ist das Buch so, dass es von mehr theoretischen Aspekten fortschreitet zu den handfesteren praktischen Themen .
      Wer's lieber gleich »praktisch« hat, kann gerne auch am Schluss beginnen und den einen oder anderen der dort vorgeschlagenen Tipps ausprobieren .
      Die Gedanken, die mir besonders wichtig sind, habe ich im nächsten Kapitel thesenartig zusammengefasst; dadurch wurde es zu einer Art »Speisekarte«. Was in diesen » Thesen« nur apodiktisch behauptet wird, nicht zuletzt, um zu provozieren, wird an anderer Stelle im Buch noch genauer erläutert.
     

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