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Störungen haben Vorrang



Besonders deutlich wird das große therapeutische Potenzial des Schreibens, wenn jemand Schwierigkeiten ganz konkreter Art mit dem Verfassen von Texten hat. Hier möchte ich zwischen akuten und chronischen Störungen des kreativen Prozesses unterscheiden. Mit einer akuten Störung gehe ich nicht anders um als in einer TZI*-Gruppe: Wenn jemand nicht ins Schreiben kommt, wenn die Freien Assoziationen nicht fließen wollen, dann hilft es erfahrungsgemäß, das auszusprechen, was stört - oder es aufzuschreiben. Betrifft die Störung jemanden in der Gruppe oder den Gruppenprozess, so wird man sie sinnvollerweise im Gespräch bearbeiten; handelt es sich jedoch primär um private Störungen, so ziehe ich es vor, diese zuerst in den Text einfließen zu lassen und erst anschließend ins Gespräch einzubeziehen. Doch dies muss man von Fall zu Fall immer wieder neu anschauen und entscheiden.

      Kommt es zu Blockierungen des Schreibflusses, so empfiehlt sich sehr, Freuds Maxime für die therapeutische Arbeit überhaupt anzuwenden: nicht gegen den »Widerstand« angehen, sondern mit ihm arbeiten. Konkret kann dies so aussehen: Wenn mir einmal absolut nichts einfallen will, beobachte ich zunächst, wie ich mich gerade fühle, was vor allem in meinem Körper vorgeht. Dann be-ginne ich damit, genau dies aufzuschreiben: »Im Augenblick fühle ich mich unwohl. Meine Nacken-Schulter-Partie ist verspannt, ich bin müde ...«

Der große Vorteil der Deutungen, die der Schreibende sich während des Verfassens seiner Texte selbst gibt , gegenüber den Deutungen eines anderen, des Therapeuten, liegt auf der Hand: Sie kommen aus der eigenen Innenwelt.
      Natürlich sind sie von der unbewussten Zensur und Abwehr mitbestimmt, natürlich werden da oft auch wichtige Einsichten vermieden - aber es handelt sich stets auch um autonome Angebote des Unbewussten. Vor allem wenn das Kollektive Unbewusste sich in Form archetypischer Symbolik zu äußern beginnt, kommt es zumindest zu einer Art Balance zwischen neurotischer Verdrängung bzw. Entstellung und echter Bearbeitung der Konflikte. Dies setzt allerdings ein entsprechend langes Anhalten des kreativen und therapeutischen Prozesses voraus - im Grunde ist der Prozess ja nie abzuschließen.
     

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Störungen  haben  Vorrang    





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