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Schreiben als Meditation



Eine meditative Haltung ist die Grundvoraussetzung jeglichen Schreibens. Der Hauptunterschied zwischen einer richtiggehenden Meditation und dem, was üblicherweise unter Selbsterfahrung und psychotherapeutischer Erfahrung verstanden wird, besteht in einer weiteren Steigerung des Grades der Versenkung, verbunden mit einer entsprechenden Tiefe der Erfahrung.


      Die prinzipiellen Gedanken zu diesem Thema sind bereits weiter oben in den Kapiteln über »Selbsterfahrung« und »Therapie« mit angesprochen worden. Ich will hier noch einige Punkte vertiefen. Erreicht wird eine größere Intensität der Versenkung und Tiefe der Selbsterfahrung durch intensiveren Rückzug aus dem Alltagstrubel für längere Zeit, durch noch stärkere Verlangsamung und - ja, durch das Eingehen größerer Risiken angesichts sehr beunruhigender, nicht selten auch beängstigender Erfahrungen in diesen emotionalen Tiefenbereichen. Die nötige Verlangsamung wird nur schwer erreicht in den 50 Minuten der üblichen Therapiestunde; ab und zu gelingt sie im Verlauf eines mehrtägigen Workshops. Meditation setzt auch die Bereitschaft voraus, sich längere Zeit mit einem bestimmten Thema sehr konzentriert zu befassen - oder überhaupt auf ein selbst gewähltes Thema zu verzichten und geduldig auf ein Thema zu warten, das von innen kommt. Im Zen-Buddhismus gibt einem der Meister vielleicht ein Koan, einen dieser scheinbar sinnlosen Rätselsprüche wie »Der Klang der einen Hand ...«.
      Was kann man sich aber unter meditativem Schreiben vorstellen? Ich will es an drei Beispielen erläutern:
- einen Text abschreiben, möglichst langsam, mit großen Lettern, vorzugsweise einen Text, der von sich aus bereits in größere Tiefe führt, zum Beispiel eine Passage aus der Bibel oder die Ora-kelsprüche des »I Ging«; Beschreibungen der Tarot-Karten, die man sich gelegt hat; ein lieb gewonnenes Gedicht, einen Psalm;
- geruhsames Schreiben mit dem Pinsel und auch farbig, nach Art der chinesischen Kalligraphie;
- längere Beschäftigung mit einem fest umrissenen Thema, zum Beispiel das Schreiben einer Novelle, einer Diplomarbeit oder eines Buches.
      Auch bestimmte Träume eignen sich für meditatives Schreiben; aber auch einfachere Träume können sehr ergiebig sein. Ganz gleich, welche Art man wählt
- stets geht es darum, wirklich einzutauchen in die tiefstmöglichen Schichten des Unbewussten. Es kommt nicht so sehr darauf an, ob man eine Meditationsphase ohne Schreiben vorschaltet oder gleich auf dem Papier meditiert . Für noch viel wichtiger halte ich, dass man das Meditieren überhaupt in Gegenwart eines entsprechend geschulten Begleiters lernt. Denn nur so bleibt man nicht in der »Grauen Zone« hängen.
      Eine kleine Skizze mag dies veranschaulichen .
     

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