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Trommeln in der Nacht



Als ich die Funkserie schrieb, die einem Teil dieses Buches zugrunde liegt, ließ ich zu Beginn jeder Folge - gewissermaßen als Kenn»melodie« - 20 Sekunden lang den erregenden Rhythmus indischer Tablas erklingen. In diesem musikalischen Leitmotiv war vieles von dem enthalten, was für mich die Kunst und das Handwerk des Schreibens ausmacht. Schreiben als Kommunikationsmittel, als Selbsterfahrung, Meditation und Therapie, als vielseitiges Denk-Werkzeug. Schreiben als Weg, um neue Erfahrungen zu verarbeiten und um alte Erfahrungen besser wieder zu erinnern.

      Warum ausgerechnet Trommeln? Warum indische Tablas? Da sind wir schon mitten in des Autors Selbsterfahrung, in diesem Falle: in meiner eigenen Reise »nach innen«, zum Selbst - mit Hilfe des Schreibens.
      Indien war schon immer ein Land meiner Sehnsucht, die Welt der Märchen und vieler Abenteuer von »1 Nacht«, in die ich oft - schreibend - verreist bin. Und einmal, 1975/76, flog ich für einige Wochen sogar ganz real dorthin: ein Erlebnis, das mich tief beeindruckt hat.
      Aber mit den indischen Trommeln hat es auch noch eine andere Bewandtnis. Ihre perlenden Rhythmen enthalten für mich viel von dem, was mit dem rein physischen Vorgang des Schreibens verbunden ist. Müsste ich einen bildhaften Vergleich für die Arbeit an der Schreibmaschine finden, so kämen mir dabei nicht das Klavier in den Sinn oder die Gitarre , sondern eben die indischen
Handtrommeln oder die Buschtrommeln auf einem fernen Kontinent, mit denen Eingeborene sich etwas mitteilen. Ihre Rhythmen entsprechen am besten dem rhythmischen Klappern einer Schreibmaschine oder einer Computertastatur.
      Für mich sind die Trommeln und das Klappern der Tastatur gewissermaßen die beiden Eckpunkte einer Kulturgeschichte und einer Psychologie des Schreibens:
Der eine, der Anfangspunkt, befasst sich mit den Uranfängen der menschlichen Kommunikation, während derer das Schreiben mehr Nebenprodukt war; etwa beim Ritzen und Färben von Höhlenmalereien. Der andere, vorläufiger Endpunkt, ist in der Tat kaum zu abstrahieren vom Arbeitsgeräusch eines Schreibgeräts - und sei es das fast nicht mehr wahrnehmbare Flüstern eines Tintenstrahldruckers oder eines völlig lautlosen »Laser-Jet«, dessen Drucken gesteuert wird von einem Schreib-Computer. Der Höhlenmaler wie der Schriftsteller vor dem Bildschirm eines computergestützten Schreibsystems gehorchen im Grunde denselben Gesetzmäßigkeiten des kreativen Prozesses.
     

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Trommeln  der  Nacht    





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