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Kleiner Exkurs über die Installation der Hirn-Schreib-Maschine



An dieser Stelle sei ein Nebengedanke eingefügt, der nur scheinbar vom Thema abweicht.
      Es gibt nicht wenige Journalisten und Schriftsteller, die befürchten, dass die Benützung eines Computers zum Schreiben die Kreativität hemmen oder gar zerstören könnte. Hierzu möchte ich nur so viel bemerken:

Der Ãobergang von einer Schreibmaschine alten Stils zu einem computergestützten Schreibsystem ist zwar etwas ungewohnt, aber im Grunde viel kleiner als jener noch weiter zurückliegende Schritt vom Schreiben mit Gänsekiel und Gallustinte hin zur Benützung einer Schreibmaschine alten Stils. Und vermutlich hätten, noch früher, die Sumerer des Altertums es auch schon als einen gewaltigen Verlust an Schreibkultur gesehen, wenn sie gewusst hätten, dass man ihre Art zu schreiben, nämlich Keilzeichen in


Tontafeln zu ritzen und diese anschließend zu brennen, Jahrhunderte später auf Kreta durch das Malen der »heiligen Zeichen« auf Papyrusblätter ersetzen würde!
Aber auch dieses Einschieben eines mechanischen Vehikels zwischen den geistigen Prozess des Ver-fertigens der Gedanken und seiner Materialisierung auf dem Papier ist in Wahrheit nicht der wesentliche Einschnitt in der Kultur des Mitteilens gewesen.
      Noch weit gravierender muss jener Ãobergang gewesen sein, der menschheitsgeschichtlich irgendwann in der Jungsteinzeit stattfand und den wir alle in der Schule vollziehen mussten, und zwar gleich zu Beginn des ersten Schuljahres: nämlich der Schritt vom mündlichen Erzählen zum Aufschreiben des Erlebten und Gedachten. In jener Entwicklungsphase wurde die wahre »Schreib-Maschi-ne« installiert - nämlich als geistige Struktur und als Satz von typischen Verhaltensmustern, der von da an unser Leben bestimmte - weit mehr, als die Benützung einer altmodischen Typenhebelschreibmaschine oder auch einer supermodernen Computertastatur samt Bildschirm und Drucker es später dann noch vermögen.
      Mit den eher praktischen Aspekten des Schreibens haben sich schon viele beschäftigt; aber nur wenig wurde bisher gesagt über die Möglichkeiten, die das Schreiben als Form der Meditation und der Psychotherapie bietet. Im nächsten Kapitel will ich versuchen, das Geheimnis des »letzten Geschenks der Götter« an die Menschen, eben das Schreiben und die Schrift, genauer zu ergründen. Hier vorab der Versuch einer Annäherung mehr von einer Randfrage her: Warum wird eigentlich geschrieben?

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