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Verlauf eines Seminars



Damit dies alles nicht zu abstrakt bleibt, sei hier noch der Ablauf eines Seminars skizziert:

Freitagabend
Begrüßung und kurze theoretische Erläuterung, worum es im Seminar - über den knappen Text des Angebots im Programm hinaus - geht. Danach schlage ich vor, für fünf Minuten die Augen zu schließen und anschließend einen kleinen Text zu schreiben, der mit den Worten anfängt: »Ich bin ...« Das Thema wirkt sehr intensiv und löst bei den Teilnehmern entsprechende Reaktionen aus, die in die Texte einfließen. Allen gelingt der Einstieg ins Schreiben.

      Die Texte werden vorgelesen - die Teilnehmer geben damit gewissermaßen ihre »Visistenkarte« ab; in dieser Sitzung bitte ich, dass alle vorlesen; später ist dies natürlich freiwillig.
      Samstag
Beginn mit einer Meditation bei unaufdringlicher Musik; es soll ein Wort gefunden werden, das zum Zentrum eines »Clusters« wird. Dabei schreibt man in die Mitte eines großen Blattes ein Stichwort und entwickelt - von dort ausgehend und immer wieder dorthin zurückkehrend - Assoziationsketten*; aus dem Ganzen gestaltet man dann anschließend einen Text. Dies ist eine ungemein ergiebige Form des Brainstormings, das sich auch für berufliches Schreiben sehr gut nützen lässt.
      Die Texte werden anschließend in Kleingruppen vorgelesen und diskutiert, damit leichter eine Atmosphäre des Vertrauens entsteht und die Texte besser und intensiver zur Geltung kommen.
      Wie alle folgenden Tage ist auch der Samstag in zwei große Blöcke gegliedert: einer am Vormittag und einer am Nachmittag / Abend. Diese Blöcke haben in der Regel denselben dreiteiligen Rhythmus von Meditation, dann rund eine Stunde Schreiben und dann, nach einer Pause, Vorlesen der Texte.
      Am Nachmittag lege ich ein grünes Halstuch in die Mitte des Raumes: »Was könnte darunter verborgen sein?« Ein Teilnehmer baut dieses Motiv des »geheimnisvollen grünen Tuchs« an zentraler Stelle in das Märchen ein, das er im Verlauf des Seminars ersinnt.

      Sonntag
Wir beginnen den Morgen mit einer Partnerübung und einer Körper-Meditation, in der die Sensibilität für die verschiedenen Teile des Körpers und ihre Rolle beim Schreiben
* In der ursprünglichen Version von Gabriele Rico enthält der Cluster nur einzelne Stichworte, aus denen im Nachhinein ein Text geschaffen wird. Ich hingegen habe die Erfahrung gemacht, dass es ergiebiger ist, statt einzelner Worte gleich ganze Sätze oder kleine Textpassagen zu schreiben - ich nenne das »Text-Entfaltung« oder »Gedanken-Ketten-Organisation «. Schreibt man diese Gedankenketten anschließend hintereinander ab, so wie sie jeweils entstanden sind, erhält man bereits einen richtigen Text, nicht selten von sehr poetischer, jedenfalls origineller Form .herausgearbeitet wird: von der Hand, die schreibt, über das »Sitzfleisch« bis zu den Füßen, die den »Bodenkontakt« halten, nicht zu vergessen das richtige Atmen.
      Später eine Phantasie-Ãobung: einen »Text auf eine Wand sprayen«. Das nächste Thema lautet »Mein erster Schultag« und soll die Verbindung mit den frühesten Schreib-Erfahrungen wiederherstellen, in denen in der Regel auch die typischen Formulierungsschwierigkeiten ihre Ursache haben. Dieser Text wird ausnahmsweise - um die Schreibbewegung zu verlangsamen und das Erinnern zu fördern - mit der linken, also der schreibungewohnten Hand verfasst.

      Montag
Es gibt schon einen regelrechten »Stau« von noch nicht vorgelesenen Texten. Deshalb an diesem Tag vor allem Vorlesen, allerdings in Kleingruppen; dies erleichtert vor allem den Schüchternen das Zeigen der Texte. Am Nachmittag Aufschreiben und Ausgestaltung von eigenen Träumen.
      Dienstagwird zum »Märchen-Tag«. Ausgehend von einer Meditation über einen Traum werden die dort gefundenen Einfälle, Bilder und Szenen zu erfundenen Geschichten ausgestaltet, vor allem zu Märchen.
      Mittwoch
Eine gelenkte Phantasie mit den Elementen »Ein Weg - eine Gestalt begegnet mir - ich kann ihr eine wichtige Frage stellen - ich bekomme eine Antwort«.
      Einer der Teilnehmer organisiert einen Bunten Abend mit Lesung, bei der neue und alte Texte vorgetragen werden.

      Donnerstag
Jede liest für sich noch einmal sämtliche Texte durch und zieht einen charakteristischen Satz heraus. So entsteht ein Fazit des Seminars für jede. Diese neuen Texte werden der Reihe nach vor-gelesen. Das Abschluss-Thema heißt wegweisend: »Was nehm ich mit - was lass ich hier?«
Dann der Abschied. Es sind von den zwanzig TeilnehmerinneN) in diesen Tagen rund 200 Texte geschrieben worden - eine reiche Ernte.
     

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