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In memoriam Edgar Allan Poe.T



Poet

Ich bin ein Poet... Wie klingt das für mich?
Was ist das - ein Poet?
Der »Arme Poet« ist ein mir vertrautes Bild. So will ich nicht sein. Schließlich habe ich Verantwortung. Drei unmündige Kinder ... Nur ein Klischee? Um eine Ausrede zu haben - nicht Poet sein zu müssen -?

Ganz anders klingt da für mich das Wort: Poesie.
      Der Poet steht. Fest und unverrückbar. Ein kaputter Typ zwar, aber in seiner Kaputtheit starr und steinern. Hart wie das »t« an seinem Ende.
      Ganz anders die Poesie. Sie ist leicht, luftig, fließend. Wie das »sie« am Schluss, das sich locker dahinschlängelt, ein Fluss in arkadischer Landschaft.
      Die Worte fließen. Die Sätze. Die Sprache. Mein ganzes Leben ein Text, der fließt, unaufhörlich. Ein Fließtext, Flusstext, der sich überschlägt in Stromschnellen und dann hinunter die Katarakte, in Wasserfällen seine Fülle senkrecht ausspannt, dann wieder träge dahinströmt, weiter unten, dem Meer zu, fast still stehend in toten Nebenarmen. Dann schließlich einmündend in das ungeheure Meer der Sprachwelt aller Völker und Zeiten.
      Aus diesem weltumspannenden Sprachmeer steigen, unter der
Strahlkraft der Geistsonne, Teile der Bilder- und Gedankenflut wieder empor, die der Traummond um den Globus kreisen lässt, hebt, senkt, Flut und Ebbe - steigen die Partikel meiner Sprache, der Sprache, steigen die Buchstaben erneut auf, verdichten sich zu Worttropfen, Satznebeln, Textwolken. Regnen ab über Wüsten, Steppen, Wäldern, Gebirgen, Prärien, Savannen ...
      Fallen ein durch Augen, Ohren, durstige Münder. Machen trunken, berauschen. So manchen. Poesie der Sprache.
      Wo war sie, die Sprache, ehe es Menschen gab, mit Bewusst-sein?

Poet
Ganz anders die »Poetry«. Da fließt nichts mehr, jedenfalls nicht so ohne weiteres. Da wird gedichtet, verdichtet. Handwerk.
Spannungsreichtum. Vom harten Endkonsonanten das Weiterrollen ins End-»r«. Ausmünden ins Ungewisse des geheimnisvollen Ypsilon.

      PO-E-try- POE-a-tree
Like a Rrrolling Stone

Blues: Trauer, mit Wut gemischt.
      I'm goin' / Don't no where to go / But I'm goin' Poet

Poe.T
Edgar Allan Poe / Says the Raven: Nevermoe

Opium und Wein.

      Tuberkulose. Schwindsucht.
      Ein Poetenleben schwindet dahin, ganz unpoetisch.
      Ein Mensch, der zerbrochen durchs Leben taumelt, Halt nur findend in der Sprache, im Schreiben, den Qualen nur stundenweise in die Laudanumnebel entfliehend.
      Hinab in den Mahlstrom.
      Aber kein leeres Amontillado-Fass lädt ein, aus dem Wirbel nach oben zu reiten. Ab-grund Ab-sturz
Ein Ende mit Siechtum und Schrecken, in den Folterkammern der Inneren Inquisition. Zerrissen auf der Streckbank des Lebens. Sein eigener Quälgeist und Henker.
      Hätten da Therapeuten geholfen? Wer weiß es.
      Wer wagt es, das Ja oder Nein zu begründen. Da sind keine Gründe, da ist kein Grund. Wo doch auch Therapeuten nichts als ein dünnes Brett über die Abgründe legen - fremde wie eigne

Requiescat in pace
Edgar Allan Poe.T RIP-EAP.T

Poe.T
Says the Raven: Nevermoet

Poet Ich, Poet
Bast Rast Mast Last

Ast passt fasst hasst
Prasst

Lava Nil
Up, up and away

Says the Poe.T:
Evermore am I goin'

Don't know where to go
But I am goin'

I'm a Rolling Stone
I'm a stoned poet

I'm astonished.
      Ah, Poe.T,

Knockin'with a Raven's Hammer
Edgar Allans Golden Nuggets

Out of Sea of Words.
      Of Neverending me text you text our textoh

Poet
Eine Karikatur für mein neues Buch über das Schreiben:

Der »arme Poet« mit der Tastatur eines 386er-PC auf den
Schenkeln. Der Monitor am Fußende des Bettes aufgebaut, daraufdeutlich sichtbar die Worte: »Go, Poe.T, go!«
Und an der Wand ein selbst gewebter Teppich aus biologischdynamischen Hanffasern mit der Inschrift:
»Are You certain? Sind Sie sicher?«
»Ja«, tippt Poe.T ein, »heute bin ich mir sicherer denn je, so wie ich damals unsicher über den Abgrund lief, stürzte, nach dem dünnen Brett des Therapeuten haschend
Am kleinen Finger der linken Hand zog er mich hoch. Den Poe.T. ließ ich stürzen. Jahre später sah ich ihn, zu meinem Erstaunen, auf einem leeren Kongo-Gras-Fass
Hochreiten in der Gischt des Katarakts von Samarkand nach O'Thar.
      Lutschend am Leuchtstift, der nächtens die Träume erhascht

Poesie. Oder nie
Schreib du ein kürz'res Gedicht. Ich kann es nicht.«

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