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Fünf Schritte zu kreativem Schreiben



Was ist beim Schreiben in einem Seminar oder einer »Schreib-Werkstatt« wesentlich? Der kreative Prozess, der dabei abläuft, lässt sich in folgende Schritte gliedern:
1.
      Spontaner Einfall. Hierbei scheint, ähnlich wie beim Träumen, ein schöpferischer Kompromiss zwischen den Ansprüchen der Innenwelt des Schreibenden und seiner Umwelt vorzuliegen, der zunächst einmal phantasierend und symbolisierend gestaltet wird; Sigmund Freud nannte dies »Probehandeln«. Im Seminar lässt sich die Spontaneität - und damit die Kreativität überhaupt -durch die verschiedensten Methoden fördern, z. B. durch Meditation oder ein »GeKO« .


      2.
      Niederschreiben des ursprünglichen Einfalls und dafür sorgen, dass weitere Einfälle, Gedanken, Gefühle und vor allem Bilder nachfließen. Hierfür gibt es nichts Anregenderes als einige andere Menschen, die ebenfalls an ihren Texten arbeiten.

      3.
      Beim anschließenden Vorlesen der frischen Texte geht dann das Wechselspiel von Innen und Außen weiter. Die Reaktionen des Publikums sind eine wichtige Hilfe bei der Erfahrung: »Werde ich verstanden mit dem, was ich da geschrieben habe?«
Eine Antwort auf diese zentrale Frage bekommt man direkt, spontan und sofort nur in einem Seminar. Dazu ist es allerdings wichtig, dass zuvor eine Atmosphäre des Vertrauens und der Selbstsicherheit in der Gruppe entstanden ist. Diese zu erzeugen gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Seminarleiters.
      4.
      Die Ãoberarbeitung der Rohfassung ist die nächste Phase. Siekommt allerdings in vielen Schreib-Werkstätten wegen der be-schränkten Zeit, die zur Verfügung steht, nicht recht zum Zuge. Sie ist das, was man üblicherweise als die eigentliche »literarische Arbeit« bezeichnet.
      Einen Text überarbeiten kann man - und wird man notgedrungen - meist zu Hause, also allein. Aber auch dies geht, erfahrungsgemäß, in der »Werkstatt«, zusammen mit anderen Menschen, wesentlich besser.
      Hierbei wird über das Moment der Selbsterfahrung hinaus die eigentliche therapeutische Wirkung sichtbar. Die Bearbeitung des Rohtextes zwingt zum genauen Ãoberdenken des Themas, des Inhalts, der Sprache. Das »treffende Wort« zu finden kann zur Mühsal werden. Hierbei wird auch das zugänglich, was man in der Psychotherapie »Widerstand« nennt: die Weigerung, verdrängtes Material zum Vorschein kommen zu lassen. Die Bearbeitung und der - äußerst behutsame und allmähliche - Abbau solcher Widerstände ist der zentrale Inhalt jeder richtig verstandenen Therapie und wohl auch jedes kreativen Prozesses. Therapie aber ist kreatives Geschehen par excellence.
      Sehr ergiebig sind hierbei die »Fehler«, die jemand macht -ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung! Ã"ußert sich doch hier das Unbewusste, werden hier doch bislang verdrängte Inhalte zugänglich. Ein klassisches Beispiel, das Freud in seiner »Psychopathologie des Alltagslebens« zitiert: »Etwas ist zum Vorschwein gekommen ...« .
      Es ist dies wahrscheinlich der Grund, weshalb Schreiben so ungemein befreiend wirken kann: wenn man nämlich das treffende »Zauberwort«, das passende Bild, das anschauliche Symbol, die richtige Metapher, den stimmigen »Ton«, ja den eigenen Stil endlich gefunden hat.
      5.
      Und dann die Veröffentlichung in gedruckter Form, als Krönung der Bemühungen. Hier wird übrigens ein weiterer wesentlicher therapeutischer Effekt des Schreibens wirksam, der leider ebenfalls viel zu wenig, oft auch gar nicht beachtet und vor allem nicht be-wusst eingesetzt wird: Publizieren heißt, sich den eigenen narziss-tischen Bedürfnissen zu stellen, auch ein Stück »Größenwahn« zu zeigen - und diesen damit einer Gestaltung zugänglich zu machen, vorausgesetzt, man wünscht dies.
      Es gibt also, dies zusammenfassend, eigentlich drei verschiedene kreative bzw. therapeutische Prozesse beim Schreiben in einer »Werkstatt«, die - auf höchst komplexe Weise ineinander verschlungen - gleichzeitig ablaufen:
1. den psychisch-geistigen Prozess im schreibenden Individuum;
2. das sprachliche Geschehen ;

3. den Gruppenprozess, mit all seiner Dynamik.
     

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